Freundchen, Freundchen …

Beitrag von Udo Baer

Wenn ich ein Wort nicht mehr hören kann, dann ist es das Wort „Freundchen“. Ich verbinde es mit einem erhobenen Zeigefinger: „Na, Freundchen, du wirst da was erleben!“ Oder mit dem gekrümmten Finger: „Komm mal her, Freundchen!“

Immer richtet sich dieses Wort an Kinder, immer ist es mit Strafandrohung verbunden, immer wirkt es erniedrigend und soll so wirken. Die Verkleinerung von „Freund“ zu „Freundchen“ lässt das Wort in die gegenteilige Bedeutung kippen. „Freundchen“ ist weder freundlich noch freundschaftlich gemeint.

Ich habe das Wort oft in meiner Kindheit in der ehemaligen DDR gehört und weiß von vielen anderen, dass es dort in den Heimen, Horten und Schulen zur Alltagssprache gehörte. Aber ich kenne es auch aus den westlichen Bundesländern. „Freundchen“ ist gesamtdeutsch. Gesamtdeutsch widerlich.

Es wird heute seltener verwendet, doch kürzlich hörte ich es wieder. Bitte, lassen Sie uns dazu beitragen, dass dieses Wort aus dem deutschen Wortschatz verschwindet. Endgültig.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

2 Kommentare zu “Freundchen, Freundchen …

  1. An dieser stelle möchte ich gerne die weibliche Form hinzufügen. In mir sträubt sich alles, wenn ich „Fräulein“ höre!
    Vielen Dank für die vielen wertvollen Worte!

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