Gesundheit Teil 4: Die Montagskrankheiten!?

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Viele Eltern berichten davon, dass Kinder oft montags krank werden. Auch Erzieher/innen und Lehrer/innen machen diese Erfahrung. Oft klagen diese Kinder über allgemeine Schmerzen („der Kopf“, „der Bauch“) oder Erschöpfung („zu schlapp“). Konkrete körperliche Befunde sind oft nicht festzustellen.

Es liegt nahe, dass diesen Kindern der Wechsel vom familiären Wochenende zur Schule nicht „bekömmlich“ ist. Es gibt für solche Montagserkrankungen keine einfachen Erklärungen, aber diese sollten Anlass sein, sich mit den Kindern zu beschäftigen und sich beziehungsweise die Kinder zu beobachten und zu befragen. Manchmal sind diese Erkrankungen ein Anzeichen dafür, dass in der Schule etwas nicht stimmt, dass Kinder gemobbt werden oder unzufrieden sind, dass sie beschämt werden, dass sie unter zu hohem Leistungsdruck stehen oder anderes mehr. Bei anderen kann eine Quelle der Montagserkrankung am Wochenende liegen, zum Beispiel in der Sorge um die Erkrankung der Mutter oder als Nachhall von ausgesprochenen oder unausgesprochenen Streitigkeiten zwischen den Eltern.

Wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass eine direkte Befragung der Kinder, was denn „nicht stimmt“, keine Ergebnisse bringt. Und doch sollte man die Kinder fragen bzw. ihnen sagen: „Du warst jetzt mehrmals am Montag krank und ich vermute, dass das etwas entweder mit dem Wochenende davor oder mit der Schule zu tun hat. Du darfst krank sein. Selbstverständlich. Egal an welchem Wochentag, UND ich möchte dem nachgehen. Lass uns mal zusammen überlegen, ob etwas nicht stimmt bzw. was nicht stimmt.“

Unmittelbare Antworten auf solche Fragen werden Sie selten erhalten, aber wenn doch, umso besser. Aber es ist trotzdem wichtig, diese Fragen zu stellen. Denn das Kind hört damit, dass Sie sich interessieren und solche Fragen sind ein Angebot, mit dem Kind gemeinsam auf die Suche zu gehen. Sie sind eine Einladung, über das zu reden, was vielleicht im Magen liegt und das Kind bedrückt.

Wenn ein Kind öfters montags krank wird, dann ist dies auch eine Sprache. Es hat vielleicht keine Worte dafür, was es belastet oder bedrückt, und deswegen spricht der Körper, spricht die Erkrankung, sprechen Bauch- oder Kopfschmerzen oder anderes mehr. Deswegen helfen schon gar keine Vorwürfe und kein Druck. Es hilft, sich darum zu kümmern, nachzufragen, sich Sorgen zu machen und gleichzeitig gelassen zu sein, also auf die Suche zu gehen, was das Kind belasten könnte.

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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