Was ist die Alternative zum Strafen?

Beitrag von Dr. Udo Baer

Ja, Strafen haben in der Erziehung von Kindern eine Wirkung. Kinder gehorchen, aus Angst und aus Hilflosigkeit. Doch die Folgen sind für die Entwicklung der Kinder schädlich, und das nachhaltig. Kinder, die oft bestraft werden, fühlen sich erniedrigt, denn Strafen machen die Kinder klein und die Großen groß. In den Kindern nistet sich die Angst ein, denn das Erzeugen von Angst vor Strafen ist das Mittel jeder Erziehung, die auf Strafen setzt. Und in den Kindern werden Ohnmacht und Hilflosigkeit selbstverständlich, denn sie sind gegenüber denen, die Strafen verhängen, hilflos und ohnmächtig.
Das hat Folgen bis ins Erwachsenenalter. Wer starke und selbstbewusste Kinder möchte, sollte auf Strafen verzichten. Nur wenn Kinder schon so gebrochen sind („komplextraumatisiert“), können Strafen Teil eines haltgebenden Systems sein, das sie eine Zeit lang zur Stabilisierung brauchen. Die Kinder, mit denen Sie als Erzieher/innen, Lehrer/innen, Therapeut/innen oder Eltern zu tun haben, brauchen Strafen nicht, im Gegenteil, sie wirken schädlich. Doch was sind die Alternativen?

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 8: Das siebte Geschenk: Das große UND leben

Beitrag von Udo Baer

Viele Verhaltensweisen gegenüber Kindern sind von Einseitigkeiten geprägt: „Sie müssen immer konsequent sein und dürfen keine Ausnahmen machen.“ Oder: „Du darfst das Kind nicht verwöhnen!“ Oder: „Es muss aufgegessen werden, was man sich auf den Teller legt!“ … Wir lehnen solche Einseitigkeiten ab. Wir empfehlen stattdessen, dass große UND zu leben.

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Gastbeitrag: Die Praxis der gleichen Würde, von Jesper Juul

Die Praxis der gleichen Würde
Von Jesper Juul

Egal, wie problematisch wir das Verhalten von Kindern empfinden,wir sollen nie aufhören, sie als Menschen gleicher Würde zu behandeln.

Wenn wir verhaltensauffälligen Kindern unsere Aufmerksamkeit zuwenden, dann konzentrieren wir uns in der Regel auf ihr unangepasstes Verhalten.
Wir nehmen diese Kinder nicht wahr als die, die sie sind, sondern versuchen zu erklären, warum sie so geworden sind, wie sie sind. Wir forschen nach Ursachen von Symptomen. Fast ein ganzes Jahrhundert lang haben Psychologie und Pädagogik versucht, Verhalten zu klassifizieren, nach Symptomen zu ordnen, Symptome und Störungen zu diagnostizieren. Dies alles in der Annahme, dass wir bei exakter Diagnose eine Methode zur Behandlung abweichenden Verhaltens entwickeln könnten. Auf diese Weise behandeln wir nicht Menschen, sondern Symptome.

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Pubertät – Zeit des Wandels und der Selbstfindung

von Claus Koch

Pubertät bedeutet Abschied nehmen und Aufbruch.

Abschied: Die enge Bindung zu den ersten und wichtigsten Bezugspersonen, den Eltern, lockert sich immer mehr. Freunde werden immer wichtiger.

Aufbruch: Zeit der Identitätsfindung: „Wer bin ich?“ Die, als die mich meine Eltern, meine Freunde, meine Lehrer sehen? Oder der, als den ich mich selbst vorstelle.

Und dann noch die Frage: „Was will ich sein?“

Auf die existenziellen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit in der frühen Kindheit folgen in der Pubertät also die existenziellen Fragen. Es ist die Zeit, sich in den eigenen Zeichnungen und Bildern wiederzufinden, in einem Instrument, im Sport, beim Theater spielen und im Schreiben. Tagebuch und erste Gedichte.

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 6: Das fünfte Geschenk: Halt und Sicherheit

Beitrag von Udo Baer

Kindern Halt und Sicherheit zu geben, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch wie bei vielen Sätzen mit dem Wort „eigentlich“: Sie ist es nicht. Deswegen ist alles, was wir den Kindern an Sicherheit und Halt geben können, ein notwendiges Geschenk, damit sie nachhaltiges und vertrauensvolles Bindungsverhalten erlernen. Wer verunsichert wird, wer ungeschützt ist und Gefahren ausgesetzt wird, kann sich nicht anderen Menschen anvertrauen. Wie sollen vertrauensvolle Begegnungen möglich sein, wenn Kinder geschlagen oder verlassen werden?

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 5: Das vierte Geschenk: Den Tanz von Nähe und Distanz wagen

Ein Beitrag von Udo Baer

Wir Erwachsene, die mit Kindern zu tun haben, hören manchmal: “Du musst distanzierter sein!“ Bei anderen Gelegenheiten sagen uns selber: „Du musst näher rangehen! Du brauchst mehr Nähe zu dem Kind!“ Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Haltungen richtig sind und dass es falsch ist, eine von den beiden Haltungen einseitig zu verabsolutieren. Es gibt kein bestimmtes Maß der Nähe oder ein „richtiges“ Maß der Distanz gegenüber Kindern oder gegenüber einem bestimmten Kind. Jede Ideologisierung eines bestimmten Maßes von Distanz oder Nähe widerspricht den Lebensbedingungen des Kindes und den Gegebenheiten der Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen. Kinder brauchen den Tanz von Nähe und Distanz.

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„Werden, wie man sich selbst empfindet“ – ein Beitrag zur Abgrenzung von Selbstwert- und Selbstgefühl

Ein Beitrag von Claus Koch

In meinem letzten Beitrag „Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziales Dominanzstreben“ habe ich die Frage aufgeworfen, was geschieht, wenn sich Selbstwert und das Gefühl für Selbstwirksamkeit, zwei aus der Bindungstheorie abgeleitete wesentliche Dimensionen der Persönlichkeit, ablösen von einem kommunikativen und emphatischen Miteinander und sich stattdessen auf das Ziel sozialer Dominanz hin orientieren. In diesem Beitrag geht es erneut um eine kritische Diskussion dieser beiden aus guter Bindung resultierenden Persönlichkeitseigenschaften, dieses Mal jedoch unter dem Gesichtspunkt, warum die Unterscheidung von Selbstwert/Selbstwirksamkeit und Selbstgefühl im beratenden und therapeutischen Prozess eine so bedeutende Rolle spielen kann.

Sein Selbstwertgefühl entwickelt das Neugeborene und kleine Kind zunächst darüber, dass es sich in der täglichen Kommunikation mit seinen primären Bezugspersonen als „wertvoll“ empfindet. „Ich bin es wert, dass man mir auf meine Blicke, meine Gesten und Laute und späteren Worte antwortet“, empfindet das Kind, wenn Mutter und Vater oder andere ihm nahe Bezugspersonen auf die auf sein soziales Überleben gerichteten Kooperationsangebote feinfühlig eingehen. Wenn sich auf diese Weise nach und nach sein Selbstwertgefühl aufbaut, handelt es sich um eine Persönlichkeitseigenschaft, die bis ins Jugend- und Erwachsenenalter Schutz vor Mobbing und Feindseligkeiten bietet und gleichzeitig Selbstwirksamkeit verspricht: „Ich traue mir zu, das, was ich mir vornehme, auch bewerkstelligen zu können.“ Damit eng verbunden ist also auch das Vertrauen in sich selbst, das nur zustande kommen kann, wenn dieses Selbst für so wertvoll gehalten wird, dass es dieses Vertrauen auch zu verdient. Mit diesen, hier nur kurz zusammengefassten Wirkungen sind Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit in jedem Fall eine gute Basis für ein als sinnvoll und gelingend empfundenes Leben.

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 4: Das dritte Geschenk: Wahrhaftigkeit

Ein Beitrag von Udo Baer

Die meisten Kinder durchschauen, ob wir ihnen gegenüber ehrlich sind oder nicht. Wenn wir so tun, als ob wir ihnen zuhören, wenn wir den Anschein erwecken, wir würden uns für sie interessieren und sind gleichzeitig mit unseren Gedanken bei der Arbeit oder einem anderen Thema, dann spüren die Kinder, dass Erwachsene so tun, als ob. Selbstverständlich können wir uns nicht immer offenen Herzens und mit all unseren Sinnen den Kindern zuwenden. Wenn ein Kind mit uns spielen oder reden möchte und wir sind gerade mit etwas anderem beschäftigt, dann ist es deswegen besser wahrhaftig zu sein und zu sagen: „Ich kann jetzt gerade nicht. Ich bin so voll mit etwas anderem. Ich höre dir später zu.“ Dies ist viel besser, als wenn wir unsere eigenen Befindlichkeiten unterdrücken und so tun, als würden wir uns dem Kind zuwenden, in Wirklichkeit aber dazu nicht in der Lage sind.

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