Trauer (Teil2): Rituale der Trauer und des Abschieds

Eine Klientin erzählte, dass sie als Kind die Oma tief und innig geliebt hatte. Doch plötzlich war die Oma weg. Sie war an einem Herzinfarkt gestorben. Zur Beerdigung durfte die damals Siebenjährige nicht mit. Die Eltern wollten ihr das „ersparen“.

Das war von den Eltern sicherlich gut gemeint, schadete aber dem Kind. Es konnte sich nicht von der Oma verabschieden. Deshalb blieb der Schmerz um den Verlust in ihr und belastete sie noch als erwachsene Frau.

Kinder brauchen Abschiede, Kinder müssen die Gelegenheit haben zu trauern. Sonst können sie nicht loslassen. Dazu helfen Rituale. Eine Beerdigung mit Trauerfeier ist ein solches Abschiedsritual. Ich bin noch keinem Kind begegnet, dem die Teilnahme daran geschadet hat. Wenn die Eltern dennoch sich darum sorgen, dann können andere Rituale helfen. Zum Beispiel:

  • Ein Klasse vermisst eine Lehrerin, die weggezogen ist, sehr. Sie stellen ein Bild von ihr in den Klassenraum und schicken ihr ab und zu einen Brief oder ein Bild, das die Klasse gemalt hat.
  • Für den verstorbenen Großvater richtet die Familie eine „Gedenkstelle“ auf einer Kommode ein. Die Kinder sorgen für frische Blumen. Ein Foto steht dort und seine Lieblingspfeife. Die Familie sammelt dort auch andere Andenken.
  • Ein Flüchtlingskind aus der Klasse wird mit der Familie am 13.4. abgeschoben und muss zurück nach Afghanistan. Die Klasse beschließt, immer am 13. des Monats einen Protestbrief an die zuständige Behörde zu schicken und den mit einem Gruß an das Kind und seine Familie: „Wir vergessen dich nicht!“

Solche und viele andere Rituale sind wichtig. Sie geben Halt und unterstützen das Trauern und Loslassen.

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