Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 12: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Einsamkeit

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Viele Kinder fühlen sich phasenweise einsam. Sie vermissen einen Freund oder haben eine Freundin verloren. Manche fühlen sich unverstanden und mit ihrem Kummer alleine gelassen. Solche Phasen der Einsamkeitsgefühle kommen und gehen. Bei traumatisierten Kindern können sich Gefühle der Einsamkeit festsetzen und zu einem Dauerzustand werden, so dass die Kinder sehr stark unter diesem Gefühl leiden.

Warum ist das so? Dafür gibt es mehrere Gründe. Kinder mit traumatischen Erfahrungen haben etwas erlebt, was andere Kinder nicht erlebt haben. Auch wenn sie nicht darüber sprechen können oder wollen, spüren sie, dass sie diese einzigartige Erfahrung mit anderen nicht ohne Weiteres teilen können. Selbst wenn andere sich darum bemühen, die Kinder mit ihrem Erleben zu verstehen, so bleibt es doch etwas Einzigartiges. Das kann einsam machen.

Hinzu kommt das Misstrauen, das wir schon erwähnt haben. Wer von seiner Umwelt Gewalt erfahren hat, wird der Umwelt nicht nur kein Vertrauen entgegenbringen, sondern sie misstrauisch beäugen. Dies kann dazu führen, dass Kinder Angebote der Begegnung oder Freundschaft zurückweisen und zumindest erst einmal so vorsichtig und abwartend mit diesen Angeboten umgehen, dass dies von den anderen als Zurückweisung angesehen wird.

Was brauchen diese Kinder, um der Einsamkeit entgegenzuwirken? Sie brauchen stärkende Begegnungen. Besonders wichtig sind die fünf spürenden Begegnungen, die in vorigen Kapiteln beschrieben worden sind. Wenn Kinder im gemeinsamen Spielen, beim Essen, im Alltag sich gesehen und gehört fühlen, wenn sie sich anlehnen können, aber auch greifbar sind und greifen dürfen, dann fördert das ihre Möglichkeiten, anderen zu begegnen.

Und diese Kinder brauchen Erfolgserlebnisse, die sie stärken. Wer mit anderen gemeinsam ein Bild malt oder auf ein Klettergerüst klettert, wer Fangen oder Verstecken spielt und dabei lachen darf, der wird Wege aus der Einsamkeit finden.

 

Spürende Begegnungen sind der Weg aus Einsamkeitsgefühlen.

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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