Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 4: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?- Neugier

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Neugier ist ein Gefühl, das häufig unterschätzt wird. Es macht sich negativ bemerkbar, wenn Eltern genervt sind, weil das Kind »zu« neugierig ist und fragt und fragt und fragt oder wenn die Neugier und das Interesse eines Kindes schwinden, wenn die Fähigkeit, sich für Dinge und Menschen zu interessieren oder gar zu begeistern, verloren geht. Ein solcher Verlust kann starke Auswirkungen auf die Kinder haben. Denn Neugier und Interesse öffnen die Türen zur Welt. Indem Kinder sich für Dinge interessieren, wenden sie sich ihnen zu und beschäftigen sich damit. Worauf sie neugierig sind, fragen sie, erkunden sie mit Händen und mit Worten, mit all ihrem Handeln und eignen sich die Welt an. Manche Kinder sind neugieriger als andere, doch alle Kinder werden mit Neugier und Interesse für ihre Umwelt geboren. Sie brauchen Unterstützung, diese Neugier zu leben und zu entfalten.

Durch den Schock einer traumatischen Erfahrung kann die Neugier ausgebremst werden oder gar erstarren. Die Welt ist für das Kind nicht mehr von Interesse, sie hat sich als feindlich und verletzend gezeigt, sodass die Flamme der Neugier und damit der Impulse, sich der Welt zuzuwenden, erloschen ist. Dies zeigt sich oft im geringeren Explorationsdrang oder im Ausbleiben von Nachfragen. Auch der Blick mancher Kinder wird stumpf und ist mehr nach innen als nach außen gerichtet. Oft wird dieses dauerhafte Erlöschen der Neugier nicht sofort sichtbar, sondern offenbart sich erst nach einiger Zeit.

Wenn Sie eine Verringerung oder ein Erlöschen der Neugier eines traumatisierten Kindes feststellen, dann reicht es nicht, dem Kind interessante Dinge anzubieten. Durch den Schock der traumatischen Erfahrung ist vielen Kindern der innere Gradmesser verloren gegangen, was interessant sein könnte und was nicht. Um die Neugier wiederzubeleben und das Interesse neu zu entwickeln, braucht es zunächst einmal einen geschützten Raum. Es ist wichtig, dass das Kind viel Vertrautes um sich hat, vertraute Menschen, vertraute Gegenstände, vertrautes Spielzeug. Erst wenn es darin und dabei ein Gefühl der Sicherheit entwickelt, kann das Kind seine Neugier wiederbeleben. Der Weg der Wiederbelebung führt darüber, mit vertrauten Gegenständen, zunächst mit vertrautem Spielzeug zu spielen und dabei neue Spielformen zu entwickeln. Dann kann folgen, sich neuem Spielzeug, neuen Gegenständen, neuen Büchern zuzuwenden. Es sind kleine Schritte von Nöten.

Schützen Sie das Kind vor zu viel Neuem, regen Sie zunächst kleine Veränderungen im vertrauten Rahmen an!

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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