Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 9: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Trauer

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Wenn Menschen etwas verlieren, dann trauern sie und mit dem Trauern können sie diesen Verlust, zumindest nach und nach, bewältigen. Wird Trauer verboten oder bleibt ungelebt, dann gelingt oft das Loslassen nicht.

Deswegen ist es für alle Kinder wichtig, dass sie, dass wir das Traurigsein erlauben und so das Loslassen unterstützen. Trauern, weinen, jammern, klagen – all das lindert den Schmerz. Mit jeder Träne verlässt ein Stück des Kummers unsere Seele und unser Herz. Dass Sie diese Haltung vorleben und offensiv vertreten, hilft traumatisierten und anderen Kindern. Es schützt sie auch davor, ausgelacht zu werden, wenn sie weinen.

Traumatisierte Kinder haben viel Anlass zum Weinen, denn sie haben viel verloren. Doch häufig sind sie nicht in der Lage, ihre Traurigkeit zu leben. Das traumatische Geschehen führt bei vielen Kindern dazu, dass sie erstarren und dass ihr Schmerz in der Starre gleichsam einfriert. Manche dieser Kinder können deswegen nicht mehr weinen und auch sonst nicht ihre Traurigkeit zeigen. Die Folge ist, dass ihnen nicht nur das Gefühl der Trauer verloren geht, sondern dass dadurch der Schreck und der Schmerz der traumatischen Erfahrung gleichsam miteingefroren und so erhalten wird.

Es ist deswegen begrüßenswert, wenn diese Kinder anfangen zu trauern. Sie können die Kinder darin ermutigen, indem Sie von Ihrer eigenen Traurigkeit erzählen. Bringen Sie die Erlaubnis zu trauern in den Kindergartenalltag ein, mit Büchern und Geschichten, in denen Menschen oder Tiere und andere Lebewesen traurig sind und das teilen. Wenn traumatisierte Kinder beginnen, ihre Trauer zu zeigen, ist das zumeist ein Zeichen dafür, dass das Schlimmste vorbei ist, dass der Prozess der Trauma-Verarbeitung in Gang kommt.

Unterstützen Sie jede Art, wie die Kinder Traurigkeit zeigen und teilen!

 

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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