Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 4: Das dritte Geschenk: Wahrhaftigkeit

Ein Beitrag von Udo Baer

Die meisten Kinder durchschauen, ob wir ihnen gegenüber ehrlich sind oder nicht. Wenn wir so tun, als ob wir ihnen zuhören, wenn wir den Anschein erwecken, wir würden uns für sie interessieren und sind gleichzeitig mit unseren Gedanken bei der Arbeit oder einem anderen Thema, dann spüren die Kinder, dass Erwachsene so tun, als ob. Selbstverständlich können wir uns nicht immer offenen Herzens und mit all unseren Sinnen den Kindern zuwenden. Wenn ein Kind mit uns spielen oder reden möchte und wir sind gerade mit etwas anderem beschäftigt, dann ist es deswegen besser wahrhaftig zu sein und zu sagen: „Ich kann jetzt gerade nicht. Ich bin so voll mit etwas anderem. Ich höre dir später zu.“ Dies ist viel besser, als wenn wir unsere eigenen Befindlichkeiten unterdrücken und so tun, als würden wir uns dem Kind zuwenden, in Wirklichkeit aber dazu nicht in der Lage sind.

Wahrhaftigkeit ist das Geschenk, das wir den Kindern, die wir begleiten und erziehen, zukommen lassen sollten. Zur Wahrhaftigkeit gehört nicht, dass wir den Kindern alles von uns mitteilen, sie beinhaltet immer eine partielle Offenheit. Wir müssen nicht alles den Kindern erzählen. Es gibt auch intime Räume und Schutzräume der Erwachsenen. Zu denen gehört, dass die Kinder draußen bleiben. Doch alles, was wir erzählen und mitteilen, sollte wahrhaftig sein. Dieses Konzept der partiellen, aber wahrhaftigen Offenheit ist ein Geschenk für die Kinder. Denn auch für Kinder ist Wahrhaftigkeit ein großer Wert. Sie wollen ernst genommen werden als wahrhaftige Menschen.

Zum Thema Wahrhaftigkeit fällt mir deshalb immer ein Junge ein, der sagte: „Ich lüge nicht!“, als ihm unterstellt wurde, die Unwahrheit zu sagen. Er trommelte dabei mit seinen Fäusten auf seine Brust. Das Symbol der Wahrhaftigkeit ist dieses Tarzan-Trommeln.

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