Die geheimen Ängste der Kinder – was tun?

Kinder jeden Alters haben Ängste. Manche mehr, manche weniger; manchmal ist die Angst konkret, manchmal bleibt sie im Nebel und ungreifbar. Oft können Kinder darüber sprechen, oft bleiben die Ängste geheim. Woran erkennen Sie, dass Kinder Angst haben? Und was ist dann zu tun?

Wenn Kinder äußern, nehmen sie diese Angst ernst und versuchen Sie nicht, die Angst zu verniedlichen („Du brauchst doch keine Angst haben.“). Angst ist ein wichtiges Gefühl, das nicht so einfach weggeredet werden kann.

Wenn Lisa sich beim Einschlafen vor Schatten ängstigt, dann schauen Sie mit ihr nach den Schatten oder unter das Bett. Oder lassen Sie vielleicht ein kleines Licht an…

Wenn Kinder sich zurückziehen, schweigsam werden oder plötzlich ihr Verhalten ändern, dann kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie sich ängstigen. Fragen sie dann nach, ohne zu bedrängen. Und sagen Sie den Kindern, dass es keine Schande ist, Angst zu haben. Ja, dass Ängste sogar oft nützlich sind: Die Angst vor einem Unfall hält davon ab, einfach auf die Straße zu laufen…

Oft ist es hilfreich, Ängste zu konkretisieren. Wenn Jennifer Angst hat. dass ihre Freundin wegzieht, dann hilft es nachzufragen: Was wäre denn dann? Vielleicht wird dann deutlich, dass Jennifer die Freundin dann nicht mehr jeden Tag sehen könnte. Das wäre traurig. Und sie könnte ihr schreiben oder skypen oder anrufen… Das wäre gut. Konkretisieren hilft.

Wer Angst hat, braucht Sicherheit. Wer viel Angst hat, braucht viel Sicherheit. Wenn Kinder zu Ängstlichkeit neigen, versuchen sie, ihnen mehr Sicherheit zu geben: Ich bin für dich da! Ich passe mit auf!

Die wichtigste Hilfe, die Sie Ihren Kindern im Umgang mit Ängsten geben können, besteht darin, dass Sie Vorbild sind: Zeigen Sie Ihren Kindern, dass auch Sie manchmal Angst haben. Und reden Sie darüber. Seien Sie Vorbild, dass auch Sie manchmal Hilfe brauchen. Angstgefühle, die Kinder in sich hinein fressen, werden mächtig. Angstgefühle, die geteilt werden, schrumpfen.

Ermuntern Sie die (kleineren) Kinder, ein Angstfresserchen zu malen. „Das sind Wesen, die sich von den Ängsten der Menschen ernähren. Sie fressen Deine Angst. Nur Du weißt, wie Dein Angstfresserchen aussieht. Male es und hänge es übers Bett.“

Erschienen in Familie, Heft 1 2014, Bregenz

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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