Warum Kunst für Geflüchtete?

„DIE KUNST IST DER ORT, AN DEM WIR DIE LEERE, DIE NICHTIGKEIT UND DEN SCHRECKEN DES TODES UND ZUGLEICH DIE GANZHEIT DES LEBENS DENKEN UND FÜHLEN KÖNNEN.“
David Grossmann

Um all das geht es in den künstlerischen Projekten von  ́aufrichten!` – die Leere, den Schrecken und die Ganzheit dessen, was erlebt wurde … Und das fühlend und denkend AUSZUDRÜCKEN. Die Künste dienen dem Ausdruck dessen, was sich ausdrücken will.
 Aus der therapeutischen Erfahrung wissen wir, dass Menschen leiden, wenn sie Schlimmes erlebt haben und keinen Ausdruck dafür finden. Umso mehr gilt das für traumatische Erfahrungen. 
Diese lassen sich aber nicht mal eben so `erzählen` oder besprechen, was nicht nur an sprachlichen Barrieren liegt, sondern vor allem daran, dass der Schrecken zu groß ist, daran, dass es um UNAUSSPRECHLICHES geht.
 Unaussprechliches lässt sich eher mit Farben, Klängen, oder in einer tänzerischen Bewegung ausdrücken…
 Oft ist das ein erster Schritt, der leichter fällt.
 In den schon begonnenen Stärkungsgruppen machen wir diese Erfahrung immer wieder.

In der Kinder-Kunst-Gruppe mit geflüchteten Kindergarten- und Grundschulkindern wird das deutlich. 
 Sobald die Kinder Papier und Farben in der Hand haben, legen sie los und gestalten das, was sie bewegt.
 Die Bilder erzählen von Angst, Gewalt und sie zeigen auch die Sehnsüchte der Kinder und ihre Wünsche.
 Immer wieder malen sie Häuser. 
 Schöne und heile Häuser, Häuser mit Gärten, Häuser mit Haustieren, Häuser mit Blumen im Fenster und ihrem eigenen Fahrrad neben der Tür … 
 mit allem was sie mit `ZUHAUSE` verbinden und was sie als HEIMAT zurücklassen mussten und was sie verloren haben.

Der Ausdruck dessen, was auf der Seele liegt, ist, wie gesagt, ein erster Schritt!
 Ein erster Schritt, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen und die, so oft attackierte Selbst-Sicherheit wieder zu erlangen, die es braucht, um das Erfahrene zu verarbeiten.

Das GEMEINSAM zu tun, mit Menschen, die um traumatische Situationen wissen, Trauma-Folgen erkennen können und sie traumasensibel begleiten,
 und auch mit Menschen, denen Ähnliches widerfahren ist, die ohne viele Worte verstehen … das stärkt und kann Menschen aus dem ohnmächtigen Gefühl des Ausgeliefertseins heraustreten lassen.

Menschen die malen, gestalten, singen oder Theater spielen kommen wieder in Kontakt mit ihrer eigenen Wirksamkeit. Neben der Möglichkeit zum Ausdruck 
 spielen noch ein paar Aspekte eine Rolle, die den Künsten innewohnen.
 Die Kunst, so sagt man, ist Expertin im Betreten von NEULAND. 
 Sie beschäftigt sich mit Neuem, schafft Neues. 
 Dabei kennt sie sich auch aus mit dem SCHEITERN, sie nutzt das Scheitern um in einem Prozess wieder zu Neuland zu gelangen.

Mit dieser Haltung ermöglicht die künstlerische Arbeit es, an den Ressourcen der geflüchteten Menschen anzusetzen.
 Geflüchtete bringen so viele Fähigkeiten und Eigenschaften mit, die sie, oft aus der Not heraus, entwickelt haben. 
 Diese können in einen künstlerischen Prozess gestellt werden und gestalten das eigene Gefühl von Scheitern, von Schrecken, von `alles aufgeben müssen` …
 um ebenfalls NEULAND zu betreten.
 Die Kunst bietet hier den Blick auf alle Stärken und Kompetenzen und auch das fördert die Wirksamkeit.
 Wenn Menschen ihr Erleben, ihre Gefühle und Gedanken z.B. bildhaft ausdrücken und darstellen, wenn diese Bilder in einer Ausstellung gehängt und von anderen Menschen betrachtet werden, also ihr LEBEN gesehen und beachtet wird, gibt das den Menschen ein Stück ihrer Würde wieder.

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