Ein Kind wirf sich auf den Boden……

This entry is part 1 of 2 in the series Fragen von Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen

von Dr. Udo Baer

 

Ein Kind in der Kita wirft sich auf den Boden. Wenn man das Kind dann hochnehmen möchte, kämpft es dagegen an. Wie verstehen Sie das?

Im Säuglingsalter liegen Kinder in der Regel auf dem Boden oder auf dem Arm eines Elternteils. Auf dem Boden zu liegen, ist der hauptsächliche Zustand, in dem sie sich in das Leben hineinfühlen und orientieren. Der Boden gibt Halt und Sicherheit. Auch sprachlich ist das Wort „Boden“ doppeldeutig: Es bezeichnet einerseits konkret den Fußboden, andererseits verwenden wir es im übertragenen Sinn, wenn wir etwas sagen, wir hätten in einer Krise den „Boden unter den Füßen“ verloren. Weiter lesen

Eifersucht unter Geschwistern

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von Udo Baer

Eine Mutter fragt:

Meine Tochter und mein Sohn sind sehr eifersüchtig. Wenn einer mit mir zusammen ist, will das der andere auch usw. Wie kann ich damit umgehen?

Eifersucht unter Geschwistern ist zunächst einmal normal. Das ältere Kind verliert einen Teil der Aufmerksamkeit, die nun dem jüngeren gilt und gelten muss. Das jüngere Kind braucht meist mehr Nähe und Zuwendung, weil es kleiner ist, zumindest als Säugling und Kleinkind. In seinem Erleben ist das ältere stärker, klüger, kompetenter und durchsetzungsfähiger.

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„Eine Katze in eine Maus verwandeln“ – Der Traum der elfjährigen Amal

von Claus Koch

 

Wir alle sind seit vielen Monaten mit der Coronapandemie und ihren Folgen beschäftigt. Nicht nur wir Erwachsenen, sondern auch unsere Kinder, um die wir uns Sorgen machen und denen wir helfen wollen, die Coronazeit gut hinter sich zu bringen. Das ist nachvollziehbar und verständlich. Eine Folge der Pandemie ist aber auch, dass wir dabei oft die Kinder aus dem Auge verlieren, die von Kriegen und Flucht gezeichnet mit ihren schlimmen Erfahrungen, und dies noch häufiger als vor Corona, das jetzt alle beschäftigt, allein gelassen werden. Und dies oft ohne Erwachsene, die sich ausreichend um sie kümmern können. Was diesen Kindern dann nur noch bleibt, sind ihre Träume. Sie haben sie für sich aufgehoben – trotz allem Elend, in dem sie sich in ihren Heimatländern, auf ihren Fluchtrouten oder in den Flüchtlingscamps immer noch befinden. An sie gilt es, auch in diesen Coronazeiten, sich zu erinnern.

Amal elf Jahre alt. Das Mädchen verbrachte die frühe Kindheit im umkämpften syrischen Homs. Als Siebenjährige floh sie 2014 mit ihrer Familie in den Libanon und lebt dort in einem informellen Camp – in Armut und ohne Perspektive. Die Kinderhilfsorganisation „Save the Children“ hat mir vor einigen Wochen diese Zeilen aus einem Gespräch mit ihr zugeschickt, die mich sehr berührt haben.

„Gehst du hier gern in die Schule?“
„Ich gehe gern, weil ich lernen mag.“
„Was möchtest du werden?“
„Lehrerin.“
„Was machst du sonst gern?“
„Ich male gern.“
„Was malst du?“
„Haus, Garten, Tiere. Zum Beispiel einen Vogel und eine Kuh.“
„Warum den Vogel?“
„Weil er fliegen kann.“
„Und was wünschst du dir?“
„Magie.“
„Warum?“
„Da kann man bekommen, was man will.“
„Was würdest du dann machen? Gibst du mir ein Beispiel?“
„Eine Katze in eine Maus verwandeln.“

Kindern Gefühle zeigen- aber wie?, Teil 2: Wenn man selbst nicht geübt ist, Gefühle zu zeigen?

This entry is part 2 of 2 in the series Kindern Gefühle zeigen - aber wie?

 

 

von Udo Baer

Ich habe von Erwachsenen gehört, dass sie selbst ungeübt sind, ihre Gefühle zu zeigen. Sie sind in Elternhäusern und Milieus aufgewachsen, in denen Emotionalität verpönt und tabuisiert war. Oder sie haben so viel Gewalt erfahren, an der starke Gefühlsausbrüche beteiligt waren, dass sie selbst emotional verstummt sind. Auch wer oft bei anderen Menschen als Kind oder Erwachsener ins Leere gegangen ist, findet oft kein Maß, Gefühle mitzuteilen. Die Folge ist, dass sie nun kein Maß haben für den Ausdruck ihrer Gefühle. Wenn sie sich vornehmen, mit ihren Kindern Gefühle zu teilen, dann haben sie oft große Sorgen, dass sie damit die Kinder überfordern und überschwemmen. Sie sind ungeübt.

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Pädagogische Beziehungskompetenz im Umgang mit herausfordernden Schüler*innen

 

von Dr. Claus Koch

Kinder wachsen in Beziehungen und durch Beziehungen. Ihre Beziehungserfahrungen spielen beim Lernen und im Verhalten eine besondere Rolle. Pädagogische Berufe sind Beziehungsberufe, denn alle Kinder wünschen sich Beziehungen. Zu Menschen, zu Gegenständen, zum Wissen. Ein Wunsch, der sich in der Kita und in der Schule bei manchen Kindern aber auch und gerade im zerstörerischen Umgang mit Beziehungen ausdrückt. Dann sprechen wir von Kindern und Jugendlichen, die uns in unseren pädagogischen Bemühungen um sie besonders herausfordern.

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Kindern Gefühle zeigen – aber wie?, Teil 1: Gefühle zeigen und das große UND

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von Udo Baer

 

Kinder brauchen Vorbilder, auch beim Zeigen ihrer Gefühle. Nur wenn Eltern, Großeltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen ihre Gefühle zeigen, können Kinder sich daran orientieren. Wie soll ein Kind zeigen und mitteilen, dass es Angst hat, wenn die Erwachsenen um es herum scheinbar nie Angst haben? Wie soll ein Kind lernen, zu trauern und in der Trauer Trost und Unterstützung zu suchen, wenn die Trauer bei den Erwachsenen ein Tabu ist?

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Die „Sendung mit der Maus“ ist 50 geworden

von Claus Koch

Nahezu alle kennen „Die Sendung mit der Maus“. Und jetzt ist sie 50 Jahre alt geworden. Großeltern kennen sie, weil sie „die Maus“ vor langer Zeit das erste Mal zusammen mit ihren Kindern gesehen haben, heutige Eltern erinnern sich, wie sie mit ihren Eltern Sonntagmorgens vor dem Fernseher saßen, wo sie sich jetzt mit ihren eigenen Kindern einfinden, und auch diese Kinder werden sich schon bald mit ihren Kindern die Lach- und Sachgeschichten mit der Maus gemeinsam ansehen. Diese, im wissenschaftlichen Jargon: „intergenerationale Weitergabe“ ist sicherlich ein Erfolgsgarant für diese Sendung, der Grund dafür, dass sie bis heute bei Klein und Groß so beliebt geblieben ist. Ein anderer, dass die Geschichten, die die Maus präsentiert, nie belehrend und darauf aus sind, Kinder zu erziehen oder sie zu Konkurrenz- und Leistungsdenken zu animieren.

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Kinder in giftigen Atmosphären

von Dr. Udo Baer

Zu den Monstern der Entwürdigung zählt, Kinder und Jugendliche giftigen Atmosphären auszusetzen. Atmosphären wabern um uns herum und in uns hinein. Giftige Atmosphären sind solche, die Kinder und Jugendliche schleichend vergiften. Zwei Beispiele:

  1. G. lebt in einer Atmosphäre permanenter Angst. In ihrer Familie gilt,
    dass alle anderen eine Bedrohung sein können. Nichts darf wirklich
    gut sein. Alles Gute kann sich ja sofort in Schlimmes verwandeln.
    Für G. ist diese Atmosphäre selbstverständlich. Sie ist in ihr
    von Geburt an aufgewachsen. Auch sie selbst wird paranoid und
    kann keine freundschaftlichen Beziehungen zu Mitschüler*innen
    aufbauen. Auch die wohlwollendsten Lehrer haben bei ihr keine
    Chance. Die Eltern von G. haben in den Kriegen beim Zerfall des
    ehemaligen Jugoslawiens als kleine Kinder schlimme Kriegstraumata
    erlebt. Flucht, Vergewaltigung, Vertreibung, Denunziation,
    Gefangenenlager (Vater) … Diese Atmosphäre hat sie geprägt und
    schuf die Wolke der Angst und Bedrohung.

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Gedanken zur Diversität

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von Dr. Udo Baer

Teil 1: Gemeinsamkeiten würdigen

Diversität ist zunächst einmal eine Beschreibung, dass es unterschiedliche Gruppen von Menschen gibt. Anfangs wurde darunter die „sichtbare Diversität“ verstanden, also Unterscheidungen vor allem nach Aussehen und Hautfarbe. Dann wurde das Spektrum der Diversität erweitert auf weitere Unterscheidungen, zum Beispiel nach sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit und anderem mehr.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 15: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Kulturelle Unterschiede

This entry is part 15 of 15 in the series Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Es wird manchmal vermutet oder unterstellt, dass Kinder, die an traumatischen Erfahrungen leiden und aus anderen als der einheimischen Kultur kommen, anders damit umgehen oder gar die Schreckenserfahrungen anders spüren. Dazu sind einige Anmerkungen notwendig.

Erstens ist es mir wichtig zu betonen, dass menschliches Leid alle Menschen gleich betrifft. Ob ein Kind in Dresden oder in Aleppo geschlagen wird, ob es in Beirut oder München vergewaltigt wird, ob es seine Geschwister durch Bombenangriffe in der Ukraine oder in Afghanistan verliert – es ist das gleiche Blut das fließt; es ist der gleiche Schmerz, der gespürt wird; es ist die gleiche Not, die die Kinder und auch die Erwachsenen überkommt.

Wenn wir unter kulturellen Gesichtspunkten traumatische Erfahrungen betrachten, dann bildet der humanistische Aspekt den Boden. Alle Betroffenen sind Menschen, und im konkreten Leid gibt es keine kulturellen Unterschiede, keine religiösen, keine landsmannschaftlichen. Die einzigen Unterschiede liegen in den Besonderheiten der Empfindsamkeit oder der Widerstandskraft der einzelnen Individuen.

Dies zu betonen, ist uns wichtig, weil wir häufig der Haltung begegnen, dass man sich den traumatischen Erfahrungen der Kinder nicht widmen darf, weil man zu wenig über die kulturellen Unterschiede und Besonderheiten weiß. Wer Mitgefühl hat, weiß genug, um dieses Mitgefühl zu zeigen und Kinder zu schützen und zu trösten. Das ist meine grundlegende Aussage und meine immer wiederkehrende Aufforderung.

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