Kindern Gefühle zeigen- aber wie?, Teil 2: Wenn man selbst nicht geübt ist, Gefühle zu zeigen?

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von Udo Baer

Ich habe von Erwachsenen gehört, dass sie selbst ungeübt sind, ihre Gefühle zu zeigen. Sie sind in Elternhäusern und Milieus aufgewachsen, in denen Emotionalität verpönt und tabuisiert war. Oder sie haben so viel Gewalt erfahren, an der starke Gefühlsausbrüche beteiligt waren, dass sie selbst emotional verstummt sind. Auch wer oft bei anderen Menschen als Kind oder Erwachsener ins Leere gegangen ist, findet oft kein Maß, Gefühle mitzuteilen. Die Folge ist, dass sie nun kein Maß haben für den Ausdruck ihrer Gefühle. Wenn sie sich vornehmen, mit ihren Kindern Gefühle zu teilen, dann haben sie oft große Sorgen, dass sie damit die Kinder überfordern und überschwemmen. Sie sind ungeübt.

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Kindern Gefühle zeigen – aber wie?, Teil 1: Gefühle zeigen und das große UND

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von Udo Baer

 

Kinder brauchen Vorbilder, auch beim Zeigen ihrer Gefühle. Nur wenn Eltern, Großeltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen ihre Gefühle zeigen, können Kinder sich daran orientieren. Wie soll ein Kind zeigen und mitteilen, dass es Angst hat, wenn die Erwachsenen um es herum scheinbar nie Angst haben? Wie soll ein Kind lernen, zu trauern und in der Trauer Trost und Unterstützung zu suchen, wenn die Trauer bei den Erwachsenen ein Tabu ist?

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 15: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Kulturelle Unterschiede

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von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Es wird manchmal vermutet oder unterstellt, dass Kinder, die an traumatischen Erfahrungen leiden und aus anderen als der einheimischen Kultur kommen, anders damit umgehen oder gar die Schreckenserfahrungen anders spüren. Dazu sind einige Anmerkungen notwendig.

Erstens ist es mir wichtig zu betonen, dass menschliches Leid alle Menschen gleich betrifft. Ob ein Kind in Dresden oder in Aleppo geschlagen wird, ob es in Beirut oder München vergewaltigt wird, ob es seine Geschwister durch Bombenangriffe in der Ukraine oder in Afghanistan verliert – es ist das gleiche Blut das fließt; es ist der gleiche Schmerz, der gespürt wird; es ist die gleiche Not, die die Kinder und auch die Erwachsenen überkommt.

Wenn wir unter kulturellen Gesichtspunkten traumatische Erfahrungen betrachten, dann bildet der humanistische Aspekt den Boden. Alle Betroffenen sind Menschen, und im konkreten Leid gibt es keine kulturellen Unterschiede, keine religiösen, keine landsmannschaftlichen. Die einzigen Unterschiede liegen in den Besonderheiten der Empfindsamkeit oder der Widerstandskraft der einzelnen Individuen.

Dies zu betonen, ist uns wichtig, weil wir häufig der Haltung begegnen, dass man sich den traumatischen Erfahrungen der Kinder nicht widmen darf, weil man zu wenig über die kulturellen Unterschiede und Besonderheiten weiß. Wer Mitgefühl hat, weiß genug, um dieses Mitgefühl zu zeigen und Kinder zu schützen und zu trösten. Das ist meine grundlegende Aussage und meine immer wiederkehrende Aufforderung.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 14: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Erregung reduzieren

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von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Bei allen Kindern ist wie bei uns Erwachsenen zu beobachten, dass der Verlauf von Aufgeregtheit und Entspannung in unterschiedlichen Phasen und Intensitäten aufeinander folgt. Sie werden Kinder kennen, die sehr aufgeregt sind, sich danach beruhigen, allein oder mit Hilfe anderer, und andere, die auf einem relativ hohen Erregungsniveau bleiben oder aber eher zu den stillen und ruhigen Kindern zählen. Die Erregungsverläufe sind typisch für alle Menschen, sie gehören zu den Grundqualitäten des Erlebens.

Bei Kindern mit traumatischen Erfahrungen sind häufig zwei Besonderheiten festzustellen. Zum einen kann das Erregungsniveau extrem schwanken. Phasen sehr hoher Erregung wechseln ab mit Phasen des Rückzugs und der scheinbaren Regungslosigkeit. Andere Kinder bleiben auf einem stetig hohen Erregungsniveau und drohen bei jedem kleinen Anlass zu explodieren. Dabei ist es unwichtig, ob die Erregung positive Freude ausdrückt oder Ärger und Zorn, entscheidend sind hier nicht die Qualität und der Inhalt der Erregung, sondern das Erregungsniveau.

Dass sich das Erregungsniveau bei traumatisierten Kindern so verändert, ist gut nachvollziehbar. Viele Attacken des Schreckens erfolgten überraschend, sodass überraschende und abrupte Erregungswechsel ein Ausdruck dieser Erfahrungen fortführen können und jede traumatische Erfahrung ist eine existenzielle Bedrohung, wie wir beschrieben haben, und existenzielle Bedrohungen sind aufregend. Deswegen kann dieses hohe Erregungsniveau sich bei traumatisierten Kindern in der Folge festsetzen.

Eine Hilfe sollte folglich darin bestehen, diese Kinder gemeinsam mit anderen Kindern darin zu unterstützen, ihr Erregungsniveau zu reduzieren. Das ist gar nicht so einfach, weil die Triebkraft der hohen Erregung, die traumatische Angst und der traumatische Schrecken, immer wieder neue Impulse der Hocherregung produzieren können. Dazu gebe ich hier einige Hinweise und Empfehlungen.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 13: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Sehnsucht

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Wer durch eine traumatische Erfahrung »aus der Welt geworfen« oder in einen »Abgrund gestoßen« wurde, entwickelt oft eine Sehnsucht nach einer guten, heilen Welt. Diese Sehnsucht ist für Kinder überlebensnotwendig. Sie gibt ihnen Kraft und zeigt ihnen eine Überlebensperspektive.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 12: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Einsamkeit

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Viele Kinder fühlen sich phasenweise einsam. Sie vermissen einen Freund oder haben eine Freundin verloren. Manche fühlen sich unverstanden und mit ihrem Kummer alleine gelassen. Solche Phasen der Einsamkeitsgefühle kommen und gehen. Bei traumatisierten Kindern können sich Gefühle der Einsamkeit festsetzen und zu einem Dauerzustand werden, so dass die Kinder sehr stark unter diesem Gefühl leiden.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 11: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Mitgefühl

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Das Mitgefühl ist die Fähigkeit, sich in das Leid und in die Freude anderer Menschen hineinzuversetzen. Lachen steckt an, genauso wie der Schmerz und das Weinen. Das Mitgefühl ist ein besonders wichtiges Gefühl für ein humanes Miteinander. Das Leid oder auch das mögliche Leid des anderen zu spüren, bremst die eigene Aggressivität und fördert die Solidarität. Alle Kinder verfügen über die Fähigkeit zum Mitgefühl, auch im Vorschulalter. Wie sie es leben und wie sie es umsetzen, das müssen sie lernen. Dafür brauchen sie gute Vorbilder durch uns Erwachsene.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 10: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Scham

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Alle Kinder und auch wir Erwachsene kennen dieses unbeliebte Gefühl: Wir schämen uns. Worüber wir uns schämen und in welcher Weise wir dies ausdrücken, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Kinder mit traumatischen Erfahrungen zeigen oft eine besonders intensive Scham. Diese tritt in vielen Situationen auf, die von anderen oft so eingeschätzt werden, als wäre eine Schamreaktion »unnötig« oder »unsinnig«. Andere Kinder mit traumatischen Erfahrungen schämen sich gar nicht mehr. Sie wirken schamlos. Um dies zu verstehen, müssen die Schamgefühle etwas genauer betrachtet werden. Wir unterscheiden zwischen natürlicher Scham und Beschämung.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 9: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Trauer

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Wenn Menschen etwas verlieren, dann trauern sie und mit dem Trauern können sie diesen Verlust, zumindest nach und nach, bewältigen. Wird Trauer verboten oder bleibt ungelebt, dann gelingt oft das Loslassen nicht.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 8: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Schuldgefühle

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von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Um die trauerbedingten Schuldgefühle zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie zwischen Schuld und Schuldgefühlen unterscheiden können. Es gibt viele Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, aber keine Schuldgefühle spüren, darunter nach meinen Erfahrungen die meisten Täter und Täterinnen. Und es gibt Opfer, die Schuldgefühle haben, aber keine Schuld. Weiter lesen