Seit 21.07.2018 im Handel, das neue Buch von Udo Baer „Die Weisheit der Kinder“

Warum spielen Kinder Verstecken? Warum lassen die Kleinen so oft den Löffel fallen? Und was bedeutet es, wenn manche Kinder nicht spielen können?

Dem erfahrenen Pädagogen Udo Baer gelingt es, die Verhaltensweisen und Äußerungsformen von Kindern aller Altersstufen aus ihrer Perspektive zu entschlüsseln und den unbewussten Sinn darin deutlich zu machen. Das betrifft die verschiedensten Aspekte kindlichen Erlebens: die alltäglichen Lebensäußerungen, wie sie sich in Spielen und typischen Vorlieben oder Ablehnungen von Kindern äußern, und auch die besonderen Verhaltensweisen, die auf schwierige Lebensumstände antworten. Die »Weisheit der Kinder« zeigt sich überall, wenn Eltern und Erzieher sie richtig zu deuten wissen und sensibel darauf eingehen. Wie das gelingt, zeigen die im Buch enthaltenen »Empfehlungen für liebende Eltern«.

 

Udo Baer
Die Weisheit der Kinder
Wie sie fühlen, denken und sich mitteilen

Klett-Cotta Verlag, ca. 160 Seiten, broschiert
ca. € 16,– (D)/€ 16,50 (A)
ISBN 978-3-608-86122-8
Erscheinungstermin: 21. Juli 2018     Bestellung hier

Zum Buch erscheinen in regelmäßigen Abständen Videos im Youtube-Kanal: Die Weisheit der Kinder

Asperger-Syndrom benannt nach einem Mordgehilfen

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Nach dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger wurde das „Asperger-Syndrom“ benannt, eine besondere Form des Autismus. Abgesehen davon, dass die Diagnosen des Autismus einschließlich des Asperger-Syndroms auf dem Prüfstand stehen, weil sie sich als zweifelhaft erwiesen haben, ist es dringend notwendig, den Namen „Asperger“ in der Bezeichnung von Symptomatiken von Kindern zu entfernen.

Warum? Weil Asperger ein Mordgehilfe der Nazis war. Aus Karrieregründen bekannte er sich zur „Rassenhygiene“ und schickte Kinder aus seiner Klinik in den „Spiegelgrund“, eine Anstalt in der Nähe von Wien, in dem Kinder als „unwertes“ Leben brutal in den Tod getrieben und direkt ermordet wurden. Das war damals überall in Wien bekannt, erst recht, als die Allierten über Wien 1941 Flugblätter abgeworfen, in denen die Vorgänge im „Spiegelgrund“ detailliert beschrieben wurden. Asperger wurde zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit Gutachter für das Wiener Gesundheitsamt und schickte 35 Kinder als „aussichtslose Fälle“ in den „Spiegelgrund“.

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Jugend ohne Bindung, Teil 2: Projektkinder, der Fetisch „Leistung“ und der Wunsch nach Selbstoptimierung.

 

 

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

In meinem letzten Beitrag „Bindungstheoretische Überlegungen zu den Wurzeln und Flügeln der 68er-Bewegung“ bin ich auf die Bindungslosigkeit der Nachkriegsjugend eingegangen, wie sie aus den Erziehungsmaximen ihrer Eltern resultierte, die sie aus der Kaiserzeit übernahmen und die später um die Erziehungsziele der Nationalsozialisten erweitert wurden. Der dagegen gerichtete Protest vieler Jugendlicher aus der 68er Generation öffnete ihnen die Möglichkeit, sich von den althergebrachten Vorstellungen ihrer Eltern zu lösen, neue Erziehungsziele zu formulieren und ein „Gegenmodell“ zum Leben der eigenen Eltern zu entwerfen. Von einem solchen „Generationskonflikt“ sind die heutigen Kinder und Jugendlichen weit entfernt. Die überwiegende Mehrheit von ihnen, laut jüngster Jugendstudien 70 bis 80 Prozent, wollen ihre Kinder später einmal genauso erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Das Verhältnis zu den Eltern ist heute partnerschaftlich geworden, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen werden respektiert, Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 7: Ihre Fachkompetenz und Ihre Würde

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Immer wieder einmal erfahren in Elterngesprächen Fachkräfte, dass ihre Vorschläge und Anregungen nicht angenommen werden. Ihre professionelle Haltung fordert dann, sich weiter zu bemühen, mit den Eltern gemeinsam Lösungen zu finden und vor allem nach Wegen zu suchen, um eine Vertrauensbasis herzustellen, auf deren Boden dann überhaupt erst die Suche nach Lösungen möglich ist. Doch Sie sollten nicht vergessen, dass Sie Fachfrauen oder Fachmänner sind. Sie können durchaus sagen: „Als Fachfrau schlage ich vor, dass ….“ Selbstverständlich wäre es besser, wenn solche Einsichten sich im Gespräch gemeinsam entwickeln, aber manchmal gelingt dies nicht. Dann ist die Betonung Ihrer fachlichen Kompetenz unabdingbar.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 6: Einstiege in Elterngespräche

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Zum Einstieg in ein Elterngespräch sollten die Begrüßungsrituale knappgehalten werden. Sie können Vertrauen schaffen und bei manchen Menschen ist das wichtiger als bei anderen, Doch es lohnt sich, dass Sie den Eltern relativ früh sagen, worum es geht, was Sie beabsichtigen und sie fragen, was sie für Interessen haben. Seien Sie offen und klar. Dass lädt auch die Eltern ein, möglichst offen und klar zu sein.

Einen zweiten Hinweis haben wir schon in einem anderen Beitrag erwähnt. Wenn Sie konkrete Anliegen haben, die das Kind betreffen und wenn Sie auf bestimmte Veränderungen hinauswollen (zu spät kommen, Aggressivität, Beteiligung am Unterricht …), dann ist es sinnvoll, sich möglichst konkret vorzubereiten, indem Sie sich Daten, Fakten und Beispiele notieren. Wenn Sie diese Daten und Fakten dann den Eltern vortragen, haben die Eltern die Möglichkeit, sie zu bewerten. Wenn Sie sofort mit einer Bewertung beginnen, entsteht häufig der Reflex, dass die Eltern das Kind in Schutz nehmen und Ihre Einschätzungen als Vorwürfe betrachten und abwehren. Wenn Sie beispielsweise berichten, dass das Kind in den letzten zwei Monaten an sieben Tagen zu spät gekommen ist, dann können Sie die Eltern fragen, wie sie das bewerten, und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. Wenn Eltern nicht in der Lage oder nicht Willens sind, solche Einschätzungen vorzunehmen, dann – und erst dann – ist es wichtig, dass Sie als Fachkraft sagen: „Das geht nicht.“ Oder: „Wir müssen Wege suchen, daran etwas zu ändern.“ Also auch hier gilt es, alles zu tun, damit ein Bündnis mit den Eltern hergestellt werden kann.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 5: Wie geht Andocken?

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Bei Gesprächen mit Beziehungsstörungen oder -belastungen gibt es einen bewährten Grundsatz. Er heißt: Erst andocken, dann verändern. Wenn Sie die Beziehung mit einem Elternteil oder den Eltern verändern oder weiterentwickeln wollen, wenn Sie die Unterstützung der Eltern bei Ihren Bemühungen um das Kind anstreben, setzt das voraus, dass Sie zunächst einmal überhaupt eine gemeinsame Gesprächsebene finden. Also bedarf es eines Andockens an das, was der Gesprächspartner möchte, was ihn bewegt, was ihn umtreibt. Wenn Sie auf zwei verschiedenen Spuren fahren, werden Sie sich nie begegnen und weiter aneinander vorbeireden. Einige Hilfen, die dazu beitragen können, eine Begegnungsebene zu schaffen, sollen hier angeführt werden. Welche und wie Sie diese einsetzen und verwenden, hängt vom Gespräch ab, von Ihrer Persönlichkeit, vom Gegenüber usw. Nehmen Sie dies als Anregungen.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten: Elterngespräche, Teil 3 und 4

Beitrag von Dr. Udo Baer

 

In der Elternarbeit treten in Schule und Kindergarten öfters Probleme auf und es entstehen Fragen. Wir werden in den folgenden Beiträgen versuchen, einige dieser Fragen zu beantworten und praktische Hinweise zu geben. Die Beiträge erscheinen in unregelmäßiger Reihenfolge in diesem Blog.

 

  1. Verantwortung

 

Wenn Sie als Lehrer/in bzw. Erzieher/in mit den Eltern ein Gespräch über das Kind führen oder wenn Sie zu dritt, wenn das Kind dabei ist, über die Entwicklung in Kindergarten und Schule reden, dann haben Sie als Fachkraft die Hauptverantwortung für den Verlauf des Gespräches. Sie sollten den Einstieg bestimmen und Sie sollten die Verantwortung dafür übernehmen, den Eltern (und dem Kind) Rückmeldungen zu ihren Kindern zu geben.

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Gender. Die Welt in rosa und blau.

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

Ein Kaufhaus in der Stadt: Zwei Schaufenster, eines ganz in Pink und Rosa, eines ganz in Blau. In dem rosa Schaufenster: Playmobil City Life. Auf der Verpackung ein Einkaufsladen in rosa Ausstattung – im Laden drei, natürlich, Frauen beim Shoppen. Über allem thront eine Eistüte, mit, natürlich, rosa Eis. Playmobil Dollhouse: Schriftzug rosa: Darunter ein Kinderzimmer: Blaues Bett für den kleinen Sohn, rosa Bett mit Schmuckleiste für die kleine Tochter. Playmobil  Fashion Girls: Eine ganze Boutique in Rosa und Pink. Zwei Mädels beim shoppen und anprobieren. Playmobil Princess: Pferd mit rosa Mähne vor weiß-lila Kutsche. Frau in einem rosa Schlafzimmer bei der Anprobe. Daneben das blaue Schaufester: Playmobil Top Agents.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 1 und 2

Beitrag von Dr. Udo Baer

 

In der Elternarbeit treten in Schule und Kindergarten öfters Probleme auf und es entstehen Fragen. Wir werden in den folgenden Beiträgen versuchen, einige dieser Fragen zu beantworten und praktische Hinweise zu geben. Die Beiträge erscheinen in unregelmäßiger Reihenfolge in diesem Blog.

 

  1. Das Dreieck: Kind-Eltern-Lehrer/innen/Erzieher/innen

Elternarbeit geht in ihrer Bedeutung weit darüber hinaus, die Eltern nur über die Leistungen in Schule und Kindergarten zu informieren. Kindergärten und Schulen sind Stätten, in denen Kinder in ihrer Sozialisation und Identitätsentwicklung wesentliche Erfahrungen machen. Nur wenn Eltern und Lehrer/innen/Erzieher/innen ein Arbeitsbündnis herstellen können, kann das Kind davon optimal profitieren. Die Entwicklung eines solchen Bündnisses ist deshalb zentrales Anliegen und Ziel der Elternarbeit.

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Jugend ohne Bindung. Teil 1: Bindungstheoretische Überlegungen zu den Wurzeln und Flügeln der 68er-Bewegung

Beitrag von Dr. Claus Koch

In diesem Jahr jährt sich der jugendliche Aufstand von 1968 zum fünfzigsten Mal. Historiker und Soziologen haben in zurückliegenden wie in den aktuell erscheinenden Büchern immer wieder auf die politische Bedeutung der Chiffre „68“ hingewiesen. Wenig oder gar nicht die Rede ist hingegen von den individuell-psychologischen Wurzeln der 68er-Bewegung, die ihr ihren ganz besonderen Stempel aufdrückten: Den Mut, in vielen Bereichen, u.a. auch in Erziehungsfragen, Neuland zu betreten, gesellschaftliche Utopien zu entwickeln und sich vom Bestehenden radikal zu verabschieden. Aber was hat „die 68er“ dazu motiviert, ein ganzes Gesellschaftsgefüge radikal in Frage zu stellen, und was bedeutet dies für die nach politischen Lösungen heutiger Probleme suchende Generation ihrer Kinder? In welchen Punkten unterscheidet sich deren Sehnsucht nach einer besseren Welt vom Aufbegehren ihrer Eltern?

In meinem gerade erschienenen Buch „1968. Drei Generationen – eine Geschichte“ versuche ich, diesen Fragen auch auf der Grundlage von bindungstheoretischen Überlegungen nachzugehen. Einige seien hier erwähnt.

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