Zwei von drei Lehrern leiden unter beruflichem Stress – warum sich unsere Schulen verändern müssen

von Dr. Claus Koch

Dass laut einer repräsentativen Studie im Auftrag des Deutschen Philologenverbands, der die Interessen von rund 176.000 Gymnasiallehrer*innen in Deutschland vertritt, etwa zwei von drei Lehrern unter beruflichem Stress leiden, verwundert nicht. Unabhängig von der jeweiligen Fragestellung, nach welchen Kriterien solcherart Stress ermittelt wird, würden ähnliche Ergebnisse wohl auch bei der Befragung anderer Berufsgruppen ermittelt werden können. In einer auf Konkurrenz, Leistung, Rendite und entsprechenden Sparmaßnahmen insbesondere im personellen Bereich ausgerichteten Wirtschaftsordnung gibt es, wie sämtliche Umfragen zeigen, im beruflichen Alltag kaum noch stressfreie Zonen. Insofern ist an dieser Umfrage interessanter, womit die Lehrer*innen denn ihren Stress begründen: An erster Stelle nennen fast 95% der Befragten die zu großen Unterschiede zwischen den einzelnen Schülern. Und etwas mehr als die Hälfte fügt auf dem zweiten Platz der „Stress-Rangliste“ hinzu, dass sie unter „verhaltensauffälligen Schülern“ leiden, die den Unterricht stören. Im Folgenden einige Bemerkungen zu den beiden auffällig häufig genannten Stressfaktoren.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 10: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Scham

 

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Alle Kinder und auch wir Erwachsene kennen dieses unbeliebte Gefühl: Wir schämen uns. Worüber wir uns schämen und in welcher Weise wir dies ausdrücken, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Kinder mit traumatischen Erfahrungen zeigen oft eine besonders intensive Scham. Diese tritt in vielen Situationen auf, die von anderen oft so eingeschätzt werden, als wäre eine Schamreaktion »unnötig« oder »unsinnig«. Andere Kinder mit traumatischen Erfahrungen schämen sich gar nicht mehr. Sie wirken schamlos. Um dies zu verstehen, müssen die Schamgefühle etwas genauer betrachtet werden. Wir unterscheiden zwischen natürlicher Scham und Beschämung.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 9: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Trauer

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Wenn Menschen etwas verlieren, dann trauern sie und mit dem Trauern können sie diesen Verlust, zumindest nach und nach, bewältigen. Wird Trauer verboten oder bleibt ungelebt, dann gelingt oft das Loslassen nicht.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 8: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Schuldgefühle

 

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Um die trauerbedingten Schuldgefühle zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie zwischen Schuld und Schuldgefühlen unterscheiden können. Es gibt viele Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, aber keine Schuldgefühle spüren, darunter nach meinen Erfahrungen die meisten Täter und Täterinnen. Und es gibt Opfer, die Schuldgefühle haben, aber keine Schuld. Weiter lesen

Bindung und Bindungsprozesse vor und in der Schwangerschaft, Teil 5: Die Bindung zum Kind schon vor der Geburt herstellen, bewahren und stärken

 

 

Von Dr. Claus Koch

Auch wenn die Bindungsforschung davon ausgeht, dass sich eine „echte“ Bindung als wechselseitiger Prozess zwischen dem Säugling und seinen wichtigsten Bezugspersonen erst ab etwa dem sechsten Lebensmonat konstituiert, finden bereits vor der Geburt und besonders während der Schwangerschaft bindungsähnliche Prozesse zwischen dem Ungeborenen und seinen künftigen Eltern, besonders der Mutter, statt, die für die Bindungsgeschichte des Babys und Kleinkindes von großer Bedeutung sein können.

In fünf Blogbeiträgen stellen wir in den nächsten Wochen die wichtigsten Passagen eines Vortrages vor, den Claus Koch auf der 6. Fachtagung „Frühe Hilfen“ im September dieses Jahres in Hofheim am Taunus hielt. 

Unsicherheiten, Ohnmachtsgefühle und Ängste gehören zu jeder Schwangerschaft. Sie sind Zeichen dafür, dass zum werdenden Kind eine enge und liebevolle Beziehung besteht, aufseiten der Mutter wie aufseiten des zukünftigen Vaters. Sie sind zunächst einmal ein gutes Zeichen. Nehmen sie überhand, ist jedoch Abhilfe nötig. Oft handelt es sich dabei um eher diffus erlebte Gefühle, die durch bestimmte „Maßnahmen“ nicht einfach aus der Welt zu schaffen sind. Entscheidend dafür, sie abzumildern ist neben Entspannungsübungen, einfühlsamen und aufmunternden Gesprächen, der Mutter das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zukommen zu lassen, die ihr selbst, wie sich häufig herausstellt, als Baby und Kind selbst gefehlt haben. Aus bindungstheoretischer Sicht geht es darum, die Beziehung zwischen dem werdenden Kind und der werdenden Mutter zu stärken. Es geht dabei, so, wie später nach der Geburt, um die auch jetzt schon beim Ungeborenen vorhandenen existenziellen Bedürfnisse von

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 7: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?- Misstrauen

 

 

Von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Dass eine traumatische Erfahrung dazu führt, dass Kinder misstrauisch gegenüber anderen Menschen, ja, gegenüber der Welt werden, habe ich schon mehrmals erwähnt. Wenn Menschen, denen sie vertrauen, ihnen Gewalt antun, wenn sie in Situationen, die sie als vertraulich erlebt und in denen sie auf den Schutz der Erwachsenen vertraut haben, in existenzielle Bedrohungen gestürzt werden, dann bricht die Welt zusammen und damit auch das Vertrauen in die Welt.

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Weihnachtsbesuch von (fast) erwachsenen Kindern

von Dr. Claus Koch

Alle Jahre zur Weihnachtszeit schneien sie wieder herein: unsere (fast) erwachsenen Kinder. Kommen von überall her, aus Neuseeland, aus anderen Städten, in denen sie studieren oder ihre Ausbildung begonnen haben. Manche von ihnen sind bereits berufstätig oder absolvieren gerade ein Praktikum oder „Volo“. Und dann kommen sie für ein paar Tage zurück in ihr „altes“ Zimmer. Finden zurück in ihr „Kinderbett“ mit dem Pikachu-Kopfkissen, blicken auf die Plakate verflossener Idole ihrer Jugendzeit und Lieblingsstars, die immer noch an den Wänden hängen; sehen traurig zur halbvertrockneten Palme hinüber, die ihnen als Jugendliche so wichtig war, zumindest solange, wie ihre Eltern sie ausreichend begossen haben. Und fühlen sich, obwohl doch längst volljährig, wieder wie Kinder. Ein bisschen jedenfalls.

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Bindung und Bindungsprozesse vor und in der Schwangerschaft, Teil 4: Ängste und Phantasien, die das „Binnenklima“ in der Schwangerschaft belasten können

 

 

Von Dr. Claus Koch

Auch wenn die Bindungsforschung davon ausgeht, dass sich eine „echte“ Bindung als wechselseitiger Prozess zwischen dem Säugling und seinen wichtigsten Bezugspersonen erst ab etwa dem sechsten Lebensmonat konstituiert, finden bereits vor der Geburt und besonders während der Schwangerschaft bindungsähnliche Prozesse zwischen dem Ungeborenen und seinen künftigen Eltern, besonders der Mutter, statt, die für die Bindungsgeschichte des Babys und Kleinkindes von großer Bedeutung sein können.

In fünf Blogbeiträgen stellen wir in den nächsten Wochen die wichtigsten Passagen eines Vortrages vor, den Claus Koch auf der 6. Fachtagung „Frühe Hilfen“ im September dieses Jahres in Hofheim am Taunus hielt. 

Ängste und mit diesen verknüpfte Phantasien spielen für das werdende Kind – und dies gilt natürlich auch für die Zeit nach seiner Geburt – die vielleicht bedeutendste Rolle. Ängste können, wie wir wissen, eine positive Wirkung erzeugen. Wenn eine Mutter Angst um ihr werdendes Kind hat, zeugt dies von einer es annehmenden und mitfühlenden Haltung und Beziehung zu ihrem Kind. „Ich habe Angst um dich, weil ich dich jetzt schon so liebhabe.“ Eine solche Angst ist von der mütterlichen – im Übrigen auch väterlichen Liebe – zum Kind geprägt. Sie ist gut. Sie verhindert, dass ich meinem Kind aversive Reize, auch hinsichtlich von schädigenden Substanzen, zumute. Sie sorgt dafür, dass ich mich jetzt schon um das Kind kümmern will, dafür sorgen, dass es ihm jetzt und später einmal gut geht. Eine solche Form von „fürsorglicher Angst“ erzeugt auch keinen Stress oder nur dann, wenn sie im Gefühlsleben der Mutter zu sehr überhandnimmt und alle anderen Gefühle „überstimmt“.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 6: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?- Zorn

 

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Ein Kind ist manchmal ärgerlich, zornig, wütend und zeigt dies auch. Die Kinder teilen uns dadurch mit, dass sie etwas anders haben wollen. Die Mutter soll nicht weggehen, sie möchten das Essen nicht aufessen, sie wollen beim Spiel gewinnen … Das ist der Sinn und der Nutzen der aggressiven Gefühle: Sie zielen auf Veränderung ab und zeigen, dass Kinder eine solche Veränderung bewirken wollen. Mit den aggressiven Gefühlen umzugehen, gehört zu Ihrem erzieherischen Alltag. Doch bei Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, können der Zorn oder die Wut besondere Qualitäten zeigen, die über die Alltagserfahrungen hinausgehen:

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Bindung und Bindungsprozesse vor und in der Schwangerschaft, Teil 3: Merkmale unsicheren Bindungsgeschehens in der Schwangerschaft

 

Von Dr. Claus Koch

Auch wenn die Bindungsforschung davon ausgeht, dass sich eine „echte“ Bindung als wechselseitiger Prozess zwischen dem Säugling und seinen wichtigsten Bezugspersonen erst ab etwa dem sechsten Lebensmonat konstituiert, finden bereits vor der Geburt und besonders während der Schwangerschaft bindungsähnliche Prozesse zwischen dem Ungeborenen und seinen künftigen Eltern, besonders der Mutter, statt, die für die Bindungsgeschichte des Babys und Kleinkindes von großer Bedeutung sein können. In fünf Blogbeiträgen stellen wir in den nächsten Wochen die wichtigsten Passagen eines Vortrages vor, den Claus Koch auf der 6. Fachtagung „Frühe Hilfen“ im September dieses Jahres in Hofheim am Taunus hielt.

Ein entspanntes „Binnenklima“, von dem im letzten Beitrag dieser kleinen Serie die Rede war, zeigt sich nicht in jeder Schwangerschaft. Manchmal hört das werdende Baby auch laute, schrille ihm nicht wohltuende Töne, zum Beispiel, wenn es in seiner Nähe zu einem heftigen Streit zwischen seinen werdenden Eltern kommt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sie, wie andere aversive Reize, beim werdenden Kind Stress verursachen. Könnte der Fötus bereits sprechen, wozu er ja er noch eine gewisse Zeit braucht, würde sie oder er wahrscheinlich sagen: „Hört auf damit, das tut mir weh. Dann erschrecke ich mich, kann mich gar nicht gemütlich bei dir im Bauch einkuscheln, sondern zappele irgendwie herum, dass ihr damit aufhört. Ihr macht mir Angst.“ In Ultraschallbeobachtungen lässt sich solche Unruhe bei aversiven Reizen, die von Außen auf das Kind einwirken, beobachten.

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