Pädagogische Beziehungskompetenz im Umgang mit herausfordernden Schüler*innen

 

von Dr. Claus Koch

Kinder wachsen in Beziehungen und durch Beziehungen. Ihre Beziehungserfahrungen spielen beim Lernen und im Verhalten eine besondere Rolle. Pädagogische Berufe sind Beziehungsberufe, denn alle Kinder wünschen sich Beziehungen. Zu Menschen, zu Gegenständen, zum Wissen. Ein Wunsch, der sich in der Kita und in der Schule bei manchen Kindern aber auch und gerade im zerstörerischen Umgang mit Beziehungen ausdrückt. Dann sprechen wir von Kindern und Jugendlichen, die uns in unseren pädagogischen Bemühungen um sie besonders herausfordern.

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Kindern Gefühle zeigen – aber wie?, Teil 1: Gefühle zeigen und das große UND

von Udo Baer

 

Kinder brauchen Vorbilder, auch beim Zeigen ihrer Gefühle. Nur wenn Eltern, Großeltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen ihre Gefühle zeigen, können Kinder sich daran orientieren. Wie soll ein Kind zeigen und mitteilen, dass es Angst hat, wenn die Erwachsenen um es herum scheinbar nie Angst haben? Wie soll ein Kind lernen, zu trauern und in der Trauer Trost und Unterstützung zu suchen, wenn die Trauer bei den Erwachsenen ein Tabu ist?

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Die „Sendung mit der Maus“ ist 50 geworden

von Claus Koch

Nahezu alle kennen „Die Sendung mit der Maus“. Und jetzt ist sie 50 Jahre alt geworden. Großeltern kennen sie, weil sie „die Maus“ vor langer Zeit das erste Mal zusammen mit ihren Kindern gesehen haben, heutige Eltern erinnern sich, wie sie mit ihren Eltern Sonntagmorgens vor dem Fernseher saßen, wo sie sich jetzt mit ihren eigenen Kindern einfinden, und auch diese Kinder werden sich schon bald mit ihren Kindern die Lach- und Sachgeschichten mit der Maus gemeinsam ansehen. Diese, im wissenschaftlichen Jargon: „intergenerationale Weitergabe“ ist sicherlich ein Erfolgsgarant für diese Sendung, der Grund dafür, dass sie bis heute bei Klein und Groß so beliebt geblieben ist. Ein anderer, dass die Geschichten, die die Maus präsentiert, nie belehrend und darauf aus sind, Kinder zu erziehen oder sie zu Konkurrenz- und Leistungsdenken zu animieren.

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Kinder in giftigen Atmosphären

von Dr. Udo Baer

Zu den Monstern der Entwürdigung zählt, Kinder und Jugendliche giftigen Atmosphären auszusetzen. Atmosphären wabern um uns herum und in uns hinein. Giftige Atmosphären sind solche, die Kinder und Jugendliche schleichend vergiften. Zwei Beispiele:

  1. G. lebt in einer Atmosphäre permanenter Angst. In ihrer Familie gilt,
    dass alle anderen eine Bedrohung sein können. Nichts darf wirklich
    gut sein. Alles Gute kann sich ja sofort in Schlimmes verwandeln.
    Für G. ist diese Atmosphäre selbstverständlich. Sie ist in ihr
    von Geburt an aufgewachsen. Auch sie selbst wird paranoid und
    kann keine freundschaftlichen Beziehungen zu Mitschüler*innen
    aufbauen. Auch die wohlwollendsten Lehrer haben bei ihr keine
    Chance. Die Eltern von G. haben in den Kriegen beim Zerfall des
    ehemaligen Jugoslawiens als kleine Kinder schlimme Kriegstraumata
    erlebt. Flucht, Vergewaltigung, Vertreibung, Denunziation,
    Gefangenenlager (Vater) … Diese Atmosphäre hat sie geprägt und
    schuf die Wolke der Angst und Bedrohung.

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Gedanken zur Diversität

 

 

von Dr. Udo Baer

Teil 1: Gemeinsamkeiten würdigen

Diversität ist zunächst einmal eine Beschreibung, dass es unterschiedliche Gruppen von Menschen gibt. Anfangs wurde darunter die „sichtbare Diversität“ verstanden, also Unterscheidungen vor allem nach Aussehen und Hautfarbe. Dann wurde das Spektrum der Diversität erweitert auf weitere Unterscheidungen, zum Beispiel nach sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit und anderem mehr.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 15: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Kulturelle Unterschiede

 

 

von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Es wird manchmal vermutet oder unterstellt, dass Kinder, die an traumatischen Erfahrungen leiden und aus anderen als der einheimischen Kultur kommen, anders damit umgehen oder gar die Schreckenserfahrungen anders spüren. Dazu sind einige Anmerkungen notwendig.

Erstens ist es mir wichtig zu betonen, dass menschliches Leid alle Menschen gleich betrifft. Ob ein Kind in Dresden oder in Aleppo geschlagen wird, ob es in Beirut oder München vergewaltigt wird, ob es seine Geschwister durch Bombenangriffe in der Ukraine oder in Afghanistan verliert – es ist das gleiche Blut das fließt; es ist der gleiche Schmerz, der gespürt wird; es ist die gleiche Not, die die Kinder und auch die Erwachsenen überkommt.

Wenn wir unter kulturellen Gesichtspunkten traumatische Erfahrungen betrachten, dann bildet der humanistische Aspekt den Boden. Alle Betroffenen sind Menschen, und im konkreten Leid gibt es keine kulturellen Unterschiede, keine religiösen, keine landsmannschaftlichen. Die einzigen Unterschiede liegen in den Besonderheiten der Empfindsamkeit oder der Widerstandskraft der einzelnen Individuen.

Dies zu betonen, ist uns wichtig, weil wir häufig der Haltung begegnen, dass man sich den traumatischen Erfahrungen der Kinder nicht widmen darf, weil man zu wenig über die kulturellen Unterschiede und Besonderheiten weiß. Wer Mitgefühl hat, weiß genug, um dieses Mitgefühl zu zeigen und Kinder zu schützen und zu trösten. Das ist meine grundlegende Aussage und meine immer wiederkehrende Aufforderung.

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Auf den Hund gekommen

von Claus Koch

Dressieren Sie Ihr Kind mit der „Hund-Kind-Methode“ wie einen Hund und alles wird gut. Das zumindest empfiehlt die Hundetrainerin Aurea Verebes in der vom Fernsehsender RTL Anfang Januar dieses Jahres zur besten Sendezeit um 19 Uhr auf den Weg gebrachten Serie „Train Your Baby like a Dog“: „Was tun, wenn das Kind ständig schreit, die Familie auf Trab hält und andere ärgert? Hilfe kommt jetzt aus der modernen Hundeerziehung – die ‚positive Verstärkung‘.“ (Originaltext RTL)

Zielgruppe dieser Sendung sind, seit es solche Fernsehformate gibt, Eltern, deren Kinder partout nicht das tun wollen, was von ihnen verlangt wird. Und die damit öffentlich zur Schau gestellt werden: Kinder, die nicht einschlafen wollen, Kinder, die keine Ruhe geben und stattdessen ständig in Bewegung sind, Kinder, die statt bedingungslos zu gehorchen, sich dem elterlichen Kommando widersetzen, Kinder, die nicht essen wollen, was auf den Tisch kommt, die nicht leisten, was Schule und Elternhaus von ihnen verlangt – das ganze klassische Programm. Die Frage nach dem „Warum“ kindlichen Verhaltens wäre solchen Formaten viel zu „intellektuell“, mit anderen Worten zu kompliziert und zeitraubend, wenn es doch auch einfacher geht.

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Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet – Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet

Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Hausaufgaben sind für Kinder, Pädagogen, Lehrer und Eltern ein äußerst leidiges Thema. Ihr Nutzen hinsichtlich des Lernerfolgs ist umstritten. In diesem Beitrag werden verschiedene Studien beleuchtet, die Vor- und Nachteile von Hausaufgaben untersucht haben.

Der Fokus der Studien lag hierbei auch auf der Frage, welche Faktoren für eine nachhaltige Wirksamkeit von Hausaufgaben beachtet werden müssen. Zudem galt es herauszufinden, welche Alternativen es zum klassischen Konzept der Hausaufgaben zur Festigung des Lernstoffs gibt.

Den vollständigen Text finden Sie hier:

http://www.kinder-und-wuerde.de/wp-content/uploads/2020/11/Genereller-Sinn-von-Hausaufgaben-Kritisch-Beleuchtet.pdf

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 14: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Erregung reduzieren

 

von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Bei allen Kindern ist wie bei uns Erwachsenen zu beobachten, dass der Verlauf von Aufgeregtheit und Entspannung in unterschiedlichen Phasen und Intensitäten aufeinander folgt. Sie werden Kinder kennen, die sehr aufgeregt sind, sich danach beruhigen, allein oder mit Hilfe anderer, und andere, die auf einem relativ hohen Erregungsniveau bleiben oder aber eher zu den stillen und ruhigen Kindern zählen. Die Erregungsverläufe sind typisch für alle Menschen, sie gehören zu den Grundqualitäten des Erlebens.

Bei Kindern mit traumatischen Erfahrungen sind häufig zwei Besonderheiten festzustellen. Zum einen kann das Erregungsniveau extrem schwanken. Phasen sehr hoher Erregung wechseln ab mit Phasen des Rückzugs und der scheinbaren Regungslosigkeit. Andere Kinder bleiben auf einem stetig hohen Erregungsniveau und drohen bei jedem kleinen Anlass zu explodieren. Dabei ist es unwichtig, ob die Erregung positive Freude ausdrückt oder Ärger und Zorn, entscheidend sind hier nicht die Qualität und der Inhalt der Erregung, sondern das Erregungsniveau.

Dass sich das Erregungsniveau bei traumatisierten Kindern so verändert, ist gut nachvollziehbar. Viele Attacken des Schreckens erfolgten überraschend, sodass überraschende und abrupte Erregungswechsel ein Ausdruck dieser Erfahrungen fortführen können und jede traumatische Erfahrung ist eine existenzielle Bedrohung, wie wir beschrieben haben, und existenzielle Bedrohungen sind aufregend. Deswegen kann dieses hohe Erregungsniveau sich bei traumatisierten Kindern in der Folge festsetzen.

Eine Hilfe sollte folglich darin bestehen, diese Kinder gemeinsam mit anderen Kindern darin zu unterstützen, ihr Erregungsniveau zu reduzieren. Das ist gar nicht so einfach, weil die Triebkraft der hohen Erregung, die traumatische Angst und der traumatische Schrecken, immer wieder neue Impulse der Hocherregung produzieren können. Dazu gebe ich hier einige Hinweise und Empfehlungen.

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Corona-Zeit: Folgen für Kinder – Erkennen und damit umgehen, Teil 7: Lernrückstände

 

von Udo Baer

Die Corona-Pandemie und deren gesellschaftliche Auswirkungen haben Folgen für Kinder jeden Alters. Für manche sind sie stärker, für andere schwächer – je nach den Vorerfahrungen der Kinder und deren Lebensbedingungen. Es ist wichtig, von diesen möglichen Folgen zu wissen, um damit kindgerecht umgehen zu können. Denn die Kinder sprechen die Folgen oft nicht aus. Die Zahl der Kinder, die angeben, dass sie psychisch belastet sind, steigt seit dem Frühjahr enorm, laut der Copsy-Studie des Hamburger Universitätsklinikums, auf 71 Prozent.

Diese Thesen sollen erste Hinweise geben.

Kinder aus Familien, in denen kaum Deutsch gesprochen wird, aber auch Kinder, deren Eltern aus unterschiedlichen Gründen nicht als „Hilfslehrer“ fungieren können, kommen mit oft mit erheblichen Lernrückständen zurück in die Schule. Dies gilt auch und besonders für das Ende der Sommerferienzeit.

Für sie ist, auch kurzfristig, eine besondere Betreuung notwendig, damit sie das das Versäumte rasch wieder aufholen zu können. Auf keinen Fall dürfen sie deswegen, auch nicht von ihren Mitschülern, beschämt werden. Vielmehr sind aufmunternde Worte „Wir schaffen das schon“, denen entsprechende Taten folgen, notwendig.