Gesundheit Teil 5: Weich bleiben bei chronischen Erkrankungen

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Zahlreiche Kinder leiden unter chronischen Erkrankungen. Das Spektrum dieser Erkrankungen ist sehr breit und reicht von starken Allergien und Asthma über Epilepsie, Herzerkrankungen, Diabetes, chronische Darmentzündungen, Kopfschmerzen/Migräne bis hin zu ADS/ADHS.

Wenn ein Kind unter einer chronischen Erkrankung leidet, führt dies bei den Kindern und im gesamten familiären Umfeld oft zu einer Verhärtung. Die Eltern machen sich Sorgen und müssen oft kontrollieren, dass das Kind zum Beispiel nichts Falsches isst. Für das Kind gilt dies genauso. Kontrolle ist notwendig. Und dauerhafte Kontrolle kann zu einer verhärteten Atmosphäre führen. Die spielerische Leichtigkeit der Kinder und der spielerische Umgang mit den Kindern können zurücktreten hinter ein angespanntes Kümmern. Die Hochspannung ist nicht wegzubeschließen. Ein Kind, das schwer allergisch ist und wo jeder Bissen eines allergenen Lebensmittels zu lebensgefährlichen Attacken führen kann, braucht Kontrolle.

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Gesundheit Teil 4: Die Montagskrankheiten!?

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Viele Eltern berichten davon, dass Kinder oft montags krank werden. Auch Erzieher/innen und Lehrer/innen machen diese Erfahrung. Oft klagen diese Kinder über allgemeine Schmerzen („der Kopf“, „der Bauch“) oder Erschöpfung („zu schlapp“). Konkrete körperliche Befunde sind oft nicht festzustellen.

Es liegt nahe, dass diesen Kindern der Wechsel vom familiären Wochenende zur Schule nicht „bekömmlich“ ist. Es gibt für solche Montagserkrankungen keine einfachen Erklärungen, aber diese sollten Anlass sein, sich mit den Kindern zu beschäftigen und sich beziehungsweise die Kinder zu beobachten und zu befragen. Manchmal sind diese Erkrankungen ein Anzeichen dafür, dass in der Schule etwas nicht stimmt, dass Kinder gemobbt werden oder unzufrieden sind, dass sie beschämt werden, dass sie unter zu hohem Leistungsdruck stehen oder anderes mehr. Bei anderen kann eine Quelle der Montagserkrankung am Wochenende liegen, zum Beispiel in der Sorge um die Erkrankung der Mutter oder als Nachhall von ausgesprochenen oder unausgesprochenen Streitigkeiten zwischen den Eltern.

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Gesundheit Teil 3: Wenn Scham zündelt……

 

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Dass Kinder sich schämen, ist normal. Die Scham oder Peinlichkeit ist ein Gefühl, das auftritt, wenn Menschen die Grenzen ihrer Intimität verteidigen. Es wird einem Menschen peinlich, wenn andere etwas mitbekommen, was sie nicht wahrnehmen sollen. Wenn ein Kind einen Fehler gemacht hat, können Schamgefühle auftreten. Oder wenn Kinder Geheimnisse bewahren wollen, zum Beispiel, dass sie eine andere Schülerin oder einen anderen Schüler „gern haben“, dann kann es ihnen peinlich sein, dass andere etwas davon mitbekommen.

All dies bezeichnen wir als „natürliche“ Scham. Ein Gefühl, das nützlich ist, um die Grenzen der eigenen Intimität zu bewahren. Doch daneben gibt es die Beschämung, die sich zunächst einmal genauso anfühlt wie die natürliche Scham. Doch die natürliche Scham kommt von innen, die Beschämung kommt von außen. Beschämung bedeutet, dass Menschen vorgeführt und entblößt werden. Beschämung ist oft damit verbunden, dass jemand zu „…“ ist: zu dick, zu dünn, zu schlau, zu dumm, zu deutsch, zu ausländisch, zu groß, zu klein usw..

Beschämung hat für diejenigen, die davon betroffen sind, keinen Sinn. Sie verletzt und erniedrigt. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Kinder darin unterstützen, sich gegen Beschämung zu wehren. Die Kinder brauchen gegen die Beschämung Parteilichkeit. Und sie brauchen uns Erwachsene als Vorbilder, dass auch wir voran gehen, gegen Beschämung aufzutreten.

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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr auf eure Handys schaut“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Am 8. September zog ein kleiner, aber lauter Demonstrationszug durch Hamburg. Dutzende Kinder waren der Einladung des siebenjährigen Emil gefolgt, um unter dem Motto „Spielt mit mir, nicht mit euren Handys“ gegen den Handy-Konsum ihrer Eltern zu protestieren. Auch andere Parolen wurden gerufen: „Am Sandkasten Handyfasten“ oder „Chatte mit mir“. Natürlich wurde die Kinder-Demo von Erwachsenen mit initiiert, und dennoch war sie für die mitmarschierenden Kinder eine tolle Übung in Sachen Selbstwirksamkeit: Greift die Mama oder der Papa am nächsten Tag beim Abendessen zum Handy genügt ein strafender Blick, um es schuldbewusst beiseite zu legen.

Ein paar Wochen später macht der SPIEGEL zum selben Thema auf: „Mein Kind, sein Handy und ich“. Das Titelbild zeigt einen Jungen an der Hand seiner Mutter, tief gebückt in sein Handy versunken. Was dann doch einigermaßen verwundert: Denn eigentlich sieht man es auf unseren Straßen, Spielplätzen oder sonstwo eher umgekehrt: Mütter und Väter, die in Begleitung ihrer Kinder wie abwesend auf ihr Handy blicken, am Griff des Kinderwagens E-Mails und WhatsApps checken, in Cafès chatten, daneben das Kind, enttäuscht, frustriert, wie abwesend. Einen kleinen Jungen, der ganz auf sein Handy konzentriert an der Hand seiner Mutter in den Kindergarten oder in die Schule gebracht wird, sieht man wohl eher selten oder eigentlich gar nicht.

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Gesundheit Teil 2: Wenn Mama, Papa, Oma … krank sind – die Schuldgefühle der Kinder

 

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

 

Erkrankungen rufen nicht nur in Eltern und anderen Erziehenden Schuldgefühle hervor, sondern auch und vor allem bei den Kindern:

  • Stefans Schwester ist hat eine Lungenentzündung und Stefan macht sich Sorgen. Er wirft sich vor, dass er am Anfang die Krankheit der Schwester nicht ernst genommen habe, zu laut gewesen war und dadurch Schuld ist, dass aus der Erkältung eine Lungenentzündung geworden ist.
  • Alicas Mama hat Krebs. Alica versteht nicht. Sie ist sechs Jahre alt. Sie ist sich aber ganz sicher, dass die Mama nur krank ist, weil sie, Alica, nicht lieb genug zu ihr war. Vor drei Jahren hatte die Mama mal zu Alica gesagt: „Wenn du nicht aufhörst mich zu nerven, dann werde ich noch krank!“ Das blieb im Gedächtnis!
  • Feridun räumt jetzt immer sein Zimmer auf. Sein Papa hatte einen Herzinfarkt erlitten und überlebt. Er hatte oft geschimpft, dass Feridun sein Zimmer nicht aufgeräumt hat. Nun räumt Feridun auf, damit der Papa wieder gesund wird.

Solche Beispiele von Schuldgefühlen bei Kindern, wenn Eltern oder Großeltern krank werden, kennen wir zu Hauf. Sie beruhen teilweise darauf, dass sich viele Kinder Krankheiten nicht erklären können. Doch die Quelle der Schuldgefühle sitzt tiefer. Kinder fühlen sich, wie die meisten Erwachsenen, gegenüber schweren Erkrankungen ohnmächtig. Ohnmacht ist ein Gefühl, das kaum auszuhalten ist.  Die Kinder wollen etwas tun, etwas bewirken, damit die Eltern oder Großeltern, die sie lieben, wieder gesund sind. Doch sie können sich weder die Krankheit erklären, noch finden sie einen Weg, wirkmächtig zu werden. Wenn die Ohnmacht bleibt, dann übernehmen Kinder oft die Verantwortung für die Erkrankung und fühlen sich schuldig. Sie versuchen damit, sich einen Zusammenhang zwischen sich selbst und der Erkrankung herzustellen.

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„Spätzünder?“

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Vor kurzem erfreute ich mich daran, wie toll ein kleines Mädchen schon durch den Hof lief und ihre Welt zu entdecken versuchte. Ich sagte der Mutter, wie wunderbar ich es finde, dass ihre Tochter laufen könne und mutig immer wieder auf`s Neue losgehe. Sie freute sich auch, entgegnete mir dann aber in einem entschuldigenden Tonfall: „Sie ist aber ein Spätzünder. Sie läuft ja jetzt erst, mit 16 Monaten …“

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neues Buch von Udo Baer: Traumatisierte Kinder sensibel begleiten – Basiswissen & Praxisideen

 

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen & Praxisideen

Dieses Buch ist soeben in der Reihe Nikolo bei Beltz erschienen und überall erhältlich.
Es ist vor allem für Fachkräfte in Kindergärten und Kitas geschrieben, aber auch für Grundschul-Lehrerer/innen und Therapeut/innen
ein nützlicher „Handwerkskoffer.

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen und Praxisideen,
Beltz Verlag, ca. 128 Seiten, ISBN:978-3-407-72766-4
Bestellung hier

„Für die sensible Trauma-Begleitung von Kindern bietet dieses Praxisbuch:

  • kompaktes Basiswissen rund um Traumata bei Kindern, z. B.: Was ist ein Trauma? Welche Ursachen und  Folgen kann es haben? Wie lässt es sich erkennen? Was tue ich bei einem Verdacht   und wie sollte ich mich verhalten?
  • einen umfassenden Praxisteil mit einer breiten Palette an Informationen und Angeboten, wie Kinder (trauma-)sensibel begleitet werden können, u. a. Gesprächshinweise, Fallbeispiele sowie Spiele und Übungen, die der Stärkung und der Überwindung von Traumafolgen dienen
  • zahlreiche Bilderbuchtipps, die Kindern und Fachkräften den gemeinsamen Zugang erleichtern. Die Ideen und Aktivitäten richten sich an die gesamte Kita-Gruppe, sodass die Fachkräfte gemeinsam mit allen Kindern einen sensiblen und unterstützenden Umgang mit dem Thema Trauma erfahren.“

Gesundheit Teil 1: Mein Kind ist krank – was habe ich falsch gemacht?

 

 

 

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Oft stellen sich Eltern diese Frage. Als Antwort entstehen ganz schnell Schuldgefühle: „Ich habe nicht genug aufgepasst, sonst hätte ich verhindern können, dass meine Tochter gefallen ist …“„Ich hätte das Kind anders ernähren sollen, dann wäre die Neurodermitis nicht ausgebrochen …“ „Wir waren bei einem Arzt, der das Kind nicht richtig behandelt hat. Das hätten wir doch vorher merken müssen …“

Immer wieder treten Schuldgefühle auf, wenn Kinder krank werden. Die Eltern sorgen sich nicht nur um die Genesung der Kinder, sondern machen sich auch selbst Vorwürfe, dass sie die Krankheit nicht richtig behandelt haben oder aber im Vorfeld die Erkrankung des Kindes nicht verhindert haben.

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im Pädagogischen Institut Berlin (PIB) gehen wir bei unserer Arbeit von dem Grundgedanken aus, dass jedes pädagogische Handeln nur in Beziehung stattfindet und durch Beziehung wirkt. Doch das, was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, ist in der Praxis oft gar nicht so einfach zu haben. Wie also gelingt Beziehung in Pädagogik und Erziehung? Was sind die Grundlagen? Wie schaffen wir pädagogische Räume, in denen Bindung und Beziehung nicht nur diskutiert und angesprochen werden, sondern wir sie im Kita- oder Schulalltag auch erproben und mit Erfolg an ihnen arbeiten können? Deswegen ab jetzt dieser neue Newsletter. Darin wollen wir Ihnen fachliche Beiträge bereitstellen, darüber hinaus gibt es Buchempfehlungen, Praxistipps, interessante Links, Hinweise auf Veranstaltungen und vieles mehr. Neben unseren verschiedenen Beiträgen im Blog www.kinder-und-wuerde.de mit seinem umfangreichen Archiv und unserer Homepage www. paedagogisches-institut-berlin.de soll dieser Newsletter unser Angebot an Sie ergänzen und wir würden uns freuen, wenn Sie ihn auch an Ihre Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen würden.

Herzlichst Ihr
Dr. Udo Baer und Dr. Claus Koch, September 2018
Pädagogisches Institut Berlin  PIB

Wenn Anerkennung innere Leere füllen muss

Dr.Claus Koch

In meinen beiden Beiträgen auf dem Blog Kinder-und-Wuerde.de, „Werden, wie man sich selbst empfindet“ und „Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziales Dominanzstreben“, beide zu finden im „Blogarchiv“, habe ich mich bereits mit zwei in Zusammenhang mit bindungstheoretischen Überlegungen immer wieder auftauchenden Begriffen, nämlich Selbstwert und Selbstwirksamkeit, kritisch auseinandergesetzt. Dabei ging u.a. um die Fragestellung, was das Selbstgefühl vom Selbstwertgefühl unterscheidet und was geschieht, wenn Selbstwert und Selbstwirksamkeit sich unreflektiert mit sozialem Dominanzstreben verknüpfen. In diesem Beitrag will ich diese Kritik an Schlüsselbegriffen der Bindungstheorie mit Bezug auf den auch von mir häufig benutzten Begriff der „Anerkennung“ fortsetzen.
Anerkennung ist die elementare Grundvoraussetzung von Ichbildung und Identitätsfindung. Der Wunsch anerkannt zu werden gehört zudem zu den existenziellen Bedürfnissen jedes Kindes. Im Säuglings- und Kleinkindalter zeigt sich der Prozess von Anerkennung zunächst darin, wie die bedeutendsten Bezugspersonen des Kindes auf die Blicke, die Gesten und später die Worte des Kindes reagieren. Also darin, wie die Mutter oder der Vater den Blick des Kindes liebevoll aufnehmen und erwidern, wie sie seine ausgetreckten Arme ergreifen oder auf seine ersten Worte, sie dabei oft wiederholend, antworten. „Ich werde gesehen, ich werde gehört, also bin ich“ – so beginnt jedes Kind seine Reise zum eigenen Ich.

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Flüchtlingen (nicht) helfen?

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Schon kleine Kinder haben, wie wissenschaftliche Studien zeigen, ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit. Hindert ein blaues Viereck einen Ball daran, einen Hang hinaufzurollen und ist ein grünes Dreieck hingegen bemüht, dem Ball durch Anschubsen aufwärts zu helfen, bevorzugen schon die Allerkleinsten die Farbe des „Helfers“.

In den vergangenen Wochen ist, angestoßen durch einen zumindest missverständlichen Beitrag in der liberalen Wochenzeitung „Die Zeit“, erneut ein Diskussion darüber entbrannt, ob man in Seenot geratene Flüchtlingen vor dem Ertrinken retten soll, bzw. ob durch solche Rettungsaktionen nicht das Geschäft von Schleusern unterstützt werde, die auf die Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen schließlich spekulieren würden. Während der Artikel in der „Zeit“ die Frage noch offen ließ, machen fremdenfeindliche Parteien jedweder Couleur keinen Hehl daraus, diese Menschen „zur Abschreckung“ auch mal ertrinken zu lassen. In beiden Fällen geht es um dieselbe Fragestellung, nämlich ob es erlaubt ist, Menschen, die in Seenot geraten, aus einem übergeordneten Prinzip heraus ihrem Schicksal überlassen. Darum, dass die Würde des Menschen eben nicht unteilbar ist, wie es unser Grundgesetz festschreibt, sondern je nach politischer Einschätzung Einschränkungen erlaubt sind.

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