Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 2: Was tun bei Verdacht?

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(aus dem Buch „Traumatisierte Kinder sensibel begleiten. Basiswissen & Praxisideen“ von Udo Baer. Beltz Nikolo 2018)

Wie schon mehrmals erwähnt: Ein einzelnes Anzeichen kann für Sie keine sichere Erkenntnis sein, dass ein Kind sexuelle oder andere Gewalt erfahren hat und traumatisiert ist. Es braucht ein Bündel von Phänomenen, die wahrgenommen werden müssen und aus denen sich dann ein Gesamtbild ergeben sollte. Jeder Verdacht sollte und muss ernst genommen werden. Dieser ist dann noch keine sichere Erkenntnis, sondern eine Vermutung, der im Interesse des Kindes nachgegangen werden muss. Dabei helfen die folgenden fünf Schritte:

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 1: Woran Traumata erkennen?

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(aus dem Buch „Traumatisierte Kinder sensibel begleiten. Basiswissen & Praxisideen“ von Udo Baer. Beltz Nikolo 2018)

Es gibt keine allgemeingültigen Listen von Symptomen, an denen erkannt werden kann, ob ein Kind traumatische Erfahrungen machen musste. Es gibt Hinweise– nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der wichtigste Hinweis besteht darin, dass Kinder nach einer traumatischen Erfahrung verstört sind. Sie verhalten sich nicht mehr so wie vorher. Sie wirken anders, zeigen Verhaltensänderungen unterschiedlicher Art.

Jedes Kind reagiert anders. Aber das Verstörtsein ist ein gemeinsam auftretendes Merkmal. Manche Kinder werden sehr unruhig, sind reizbar und schreckhaft. Andere ziehen sich eher zurück. Wieder andere werden aggressiv gegenüber ihrer Umgebung, um einem erneuten Kontrollverlust vorzubeugen. Häufig treten auch Verhaltensweisen auf, die einer früheren Entwicklungsstufe der Kinder entsprechen (im Fachterminus spricht man von »regredieren«). Das heißt, bestimmte Fähigkeiten, die sie bereits erworben haben, gehen verloren; das zeigt sich zum Beispiel in der Sprache oder im Sauberkeitsverhalten oder in anderen Kompetenzen. In jedem Fall haben Kinder während eines traumatischen Erlebens ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben müssen, was sie unsicher macht und bei ihnen die bereits beschriebenen Verhaltensweisen auslöst. Noch einmal ist zu betonen: Es gibt keine verbindlichen Listen mit Phänomenen an denen sich traumatische Erfahrungen festmachen lassen. Es sollte immer ein Gesamtbild hergestellt werden, um ggf. einem Verdacht nachzugehen.

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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr auf eure Handys schaut“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Am 8. September zog ein kleiner, aber lauter Demonstrationszug durch Hamburg. Dutzende Kinder waren der Einladung des siebenjährigen Emil gefolgt, um unter dem Motto „Spielt mit mir, nicht mit euren Handys“ gegen den Handy-Konsum ihrer Eltern zu protestieren. Auch andere Parolen wurden gerufen: „Am Sandkasten Handyfasten“ oder „Chatte mit mir“. Natürlich wurde die Kinder-Demo von Erwachsenen mit initiiert, und dennoch war sie für die mitmarschierenden Kinder eine tolle Übung in Sachen Selbstwirksamkeit: Greift die Mama oder der Papa am nächsten Tag beim Abendessen zum Handy genügt ein strafender Blick, um es schuldbewusst beiseite zu legen.

Ein paar Wochen später macht der SPIEGEL zum selben Thema auf: „Mein Kind, sein Handy und ich“. Das Titelbild zeigt einen Jungen an der Hand seiner Mutter, tief gebückt in sein Handy versunken. Was dann doch einigermaßen verwundert: Denn eigentlich sieht man es auf unseren Straßen, Spielplätzen oder sonstwo eher umgekehrt: Mütter und Väter, die in Begleitung ihrer Kinder wie abwesend auf ihr Handy blicken, am Griff des Kinderwagens E-Mails und WhatsApps checken, in Cafès chatten, daneben das Kind, enttäuscht, frustriert, wie abwesend. Einen kleinen Jungen, der ganz auf sein Handy konzentriert an der Hand seiner Mutter in den Kindergarten oder in die Schule gebracht wird, sieht man wohl eher selten oder eigentlich gar nicht.

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Zehn Tipps für die therapeutische Arbeit mit Kinderbüchern: 7. Gedanke

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Ein Kinderbuch besonderer Art ist „Als Mama noch ein braves Kind war“ von Valerie Larrondo und Claudine Desmarteau. Eine Mutter erzählt ihrer Tochter, wie brav sie war – die Bilder zeigen währenddessen das Gegenteil. Das Buch ist köstlich, regt zum Schmunzeln, nein: zum lauten Lachen an. Das allein ist oft schon heilsam. Weiter lesen

Zehn Tipps für die therapeutische Arbeit mit Kinderbüchern: 6. Gedanke

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Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch haben das Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ geschrieben bzw. gestaltet. Dieses Buch zeige ich, lese es vor und dann frage ich: Wer hat Ihnen auf den Kopf gemacht? Die meisten KlientInnen kennen sofort die Antwort, die anderen gehen mit mir und dem Maulwurf auf die Suche. Weiter lesen

Zehn Tipps für die therapeutische Arbeit mit Kinderbüchern: 4. Gedanke

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Jutta Bauer erzählt in ihrem Buch „Die Königin der Farben“ von eben dieser Frau, die die Welt mit ihren Gefühlsfarben gestaltet. Am Beeindruckendsten ist für viele KlientInnen die Stelle, als ihre Tränen das Grau wegschwemmen und die Farben wiederkehren lassen. Weiter lesen

Zehn Tipps für die therapeutische Arbeit mit Kinderbüchern: 3. Gedanke

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Im Buch „Das Traumfresserchen“ von Michael Ende und Annegert Fuchshuber wird die Geschichte einer Prinzessin erzählt, die von lauter schlimmen Träumen gequält wird. Ihr Vater, der König, versucht alles, um seiner Tochter zu helfen. Er reist um die Welt, bis er schließlich ein Traumfresserchen findet, das sich von den schlechten Träumen der Prinzessin ernährt. Weiter lesen