Auf den Hund gekommen

von Claus Koch

Dressieren Sie Ihr Kind mit der „Hund-Kind-Methode“ wie einen Hund und alles wird gut. Das zumindest empfiehlt die Hundetrainerin Aurea Verebes in der vom Fernsehsender RTL Anfang Januar dieses Jahres zur besten Sendezeit um 19 Uhr auf den Weg gebrachten Serie „Train Your Baby like a Dog“: „Was tun, wenn das Kind ständig schreit, die Familie auf Trab hält und andere ärgert? Hilfe kommt jetzt aus der modernen Hundeerziehung – die ‚positive Verstärkung‘.“ (Originaltext RTL)

Zielgruppe dieser Sendung sind, seit es solche Fernsehformate gibt, Eltern, deren Kinder partout nicht das tun wollen, was von ihnen verlangt wird. Und die damit öffentlich zur Schau gestellt werden: Kinder, die nicht einschlafen wollen, Kinder, die keine Ruhe geben und stattdessen ständig in Bewegung sind, Kinder, die statt bedingungslos zu gehorchen, sich dem elterlichen Kommando widersetzen, Kinder, die nicht essen wollen, was auf den Tisch kommt, die nicht leisten, was Schule und Elternhaus von ihnen verlangt – das ganze klassische Programm. Die Frage nach dem „Warum“ kindlichen Verhaltens wäre solchen Formaten viel zu „intellektuell“, mit anderen Worten zu kompliziert und zeitraubend, wenn es doch auch einfacher geht.

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Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet – Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet

Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Hausaufgaben sind für Kinder, Pädagogen, Lehrer und Eltern ein äußerst leidiges Thema. Ihr Nutzen hinsichtlich des Lernerfolgs ist umstritten. In diesem Beitrag werden verschiedene Studien beleuchtet, die Vor- und Nachteile von Hausaufgaben untersucht haben.

Der Fokus der Studien lag hierbei auch auf der Frage, welche Faktoren für eine nachhaltige Wirksamkeit von Hausaufgaben beachtet werden müssen. Zudem galt es herauszufinden, welche Alternativen es zum klassischen Konzept der Hausaufgaben zur Festigung des Lernstoffs gibt.

Den vollständigen Text finden Sie hier:

http://www.kinder-und-wuerde.de/wp-content/uploads/2020/11/Genereller-Sinn-von-Hausaufgaben-Kritisch-Beleuchtet.pdf

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 8: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Schuldgefühle

This entry is part 8 of 15 in the series Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Um die trauerbedingten Schuldgefühle zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie zwischen Schuld und Schuldgefühlen unterscheiden können. Es gibt viele Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, aber keine Schuldgefühle spüren, darunter nach meinen Erfahrungen die meisten Täter und Täterinnen. Und es gibt Opfer, die Schuldgefühle haben, aber keine Schuld. Weiter lesen

Das neue Buch von Claus Koch: „Trennungskinder. Wie Eltern und ihre Kinder nach Trennung und Scheidung wieder glücklich werden“

Das neue Buch von Dr. Claus Koch:

„Trennungskinder. Wie Eltern und ihre Kinder nach Trennung und Scheidung wieder glücklich werden

Erschienen am 19.08.2019 im Patmos Verlag, Stuttgart.

 

Was brauchen Kinder und Jugendliche, deren Eltern sich trennen oder scheiden lassen? Und wie kommen die Erwachsenen selbst mit ihren eigenen oftmals schwierigen Gefühlen klar? Das Buch zeigt auf, was nötig ist, damit alle die krisenhafte Situation gut bewältigen. Besonders wichtig ist jetzt, die existenziellen Bedürfnisse der Kinder gut im Blick zu behalten. Ihnen Geborgenheit und Sicherheit und Anerkennung geben. Helfen, dass sie ihre Ohnmachtsgefühle überwinden und ihr Gefühl für Selbstwirksamkeit stärken. Glückliche Trennungskinder gibt es nicht, aber Trennungskinder, die nach Trennung oder Scheidung ihrer Eltern wieder glücklich werden. Das Buch zeigt besonders aus Sicht der Kinder, die viel zu oft vernachlässigt wird, Wege auf, die helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Die Verlagsseite des Patmos Verlages finden Sie: HIER

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 1: Woran Traumata erkennen?

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(aus dem Buch „Traumatisierte Kinder sensibel begleiten. Basiswissen & Praxisideen“ von Udo Baer. Beltz Nikolo 2018)

Es gibt keine allgemeingültigen Listen von Symptomen, an denen erkannt werden kann, ob ein Kind traumatische Erfahrungen machen musste. Es gibt Hinweise– nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der wichtigste Hinweis besteht darin, dass Kinder nach einer traumatischen Erfahrung verstört sind. Sie verhalten sich nicht mehr so wie vorher. Sie wirken anders, zeigen Verhaltensänderungen unterschiedlicher Art.

Jedes Kind reagiert anders. Aber das Verstörtsein ist ein gemeinsam auftretendes Merkmal. Manche Kinder werden sehr unruhig, sind reizbar und schreckhaft. Andere ziehen sich eher zurück. Wieder andere werden aggressiv gegenüber ihrer Umgebung, um einem erneuten Kontrollverlust vorzubeugen. Häufig treten auch Verhaltensweisen auf, die einer früheren Entwicklungsstufe der Kinder entsprechen (im Fachterminus spricht man von »regredieren«). Das heißt, bestimmte Fähigkeiten, die sie bereits erworben haben, gehen verloren; das zeigt sich zum Beispiel in der Sprache oder im Sauberkeitsverhalten oder in anderen Kompetenzen. In jedem Fall haben Kinder während eines traumatischen Erlebens ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben müssen, was sie unsicher macht und bei ihnen die bereits beschriebenen Verhaltensweisen auslöst. Noch einmal ist zu betonen: Es gibt keine verbindlichen Listen mit Phänomenen an denen sich traumatische Erfahrungen festmachen lassen. Es sollte immer ein Gesamtbild hergestellt werden, um ggf. einem Verdacht nachzugehen.

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Kinder ernst nehmen – oder prozesstauglich machen?

Beitrag von Dr. Claus Koch

In unserem Blog vom 26.4. im Beitrag „Die Gesellschaft muss lernen, ihre Kinder ernst zu nehmen“ gehe ich im Zusammenhang mit dem Thema sexualisierter Gewalt auch auf die Vorgänge auf dem Campingplatz in Lüdge ein. Die zahlreichen amtlichen Skandale um den dort stattgefundenen sexuellen Missbrauch an zahlreichen Kinder finden nun in der Frage ihre Fortsetzung, wie mit den Missbrauchsopfern weiterhin umzugehen sei. In einer Mischung aus Hilflosigkeit und Kaltblütigkeit gaben die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold den Eltern der betroffenen Kinder den Rat, eine Psychotherapie doch erst nach Ende eines Gerichtsprozess zu beginnen.

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„Die Gesellschaft muss lernen, ihre Kinder ernst zu nehmen“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Geschichten, die zählen – Anfang April dieses Jahres hat die von der Bundesregierung im Mai 2016 ins Leben gerufene „Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ ihren ersten Zwischenbericht vorgelegt. Über 1.700 Betroffene von sexualisierter Gewalt hatten sich in den letzten drei Jahren bei ihr gemeldet, über 900 vertrauliche Anhörungen fanden statt, zusätzlich gingen 320 schriftliche Berichte ein. Die Spitze eines Eisberges. Nach der vom Bundesinnenministerium veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 13.683 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch erfasst – die Dunkelziffer aber liegt weit höher.

Wie die Vorsitzende der Kommission, die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, in ihrer Erklärung weiterhin ausführte, fanden sich die Opfer in allen gesellschaftlichen Bereichen, über das nahe soziale Umfeld bis hin zu Schule, Kirche und Sport. Allein 56 Prozent der Betroffenen wurden in ihren Familien missbraucht.

Eines der wichtigsten Themen der Kommission sei das „Schweigen der Anderen“ gewesen – von Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn, Lehrkräften oder Mitarbeitern des Jugendamtes: „Es ist auffällig, wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt haben und Kinder nicht geschützt wurden.“ Damit hätten sie dazu beigetragen, dass der erlebte Missbrauch nicht beendet und später die Aufarbeitung verhindert wurde. Für Prävention und Kinderschutz sei es zentral, diesen Widerständen und dem Schweigen etwas entgegenzusetzen.

 

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Familie – Krankheit – Selbsthilfe

Beitrag von Dr. Udo Baer

Familie Keller sitzt zusammen bei einer Geburtstagsfeier. Zehn Familieangehörige – Väter, Mütter, Kinder, Enkel, Geschwister – essen miteinander und unterhalten sich. Der Familienvater möchte die Suppe einschenken, seine Hand zittert, er kleckert und lässt schließlich die Kelle fallen. Bleich setzt er sich. Er sagt: „Ich wollte es eigentlich erst nachher sagen: Ich bin krank.“ Er informiert die Familie darüber, dass er an einer chronischen Krankheit leidet und zunehmend zu einem Pflegefall werden wird.

Sofort zeigt sich, dass eine Familie mehr ist als Verwandtschaft und regelmäßige Treffen: Jede Familie hat bestimmte Arten der Kommunikation, der Hierarchien von Aufmerksamkeit und Einfluss, hat Selbstbilder, Atmosphären und andere Eigenschaften. Wie dieses Familiensystem erlebt wird, ändert sich durch eine Krankheit, v.a. eine chronische oder lebensbedrohliche Erkrankung.

Was sich verändern kann, zeigen Studien und Auswertungen unserer Therapie- und Gruppen-Erfahrungen. Betrachten wir als Beispiel Familie Keller:

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„Spätzünder?“

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Vor kurzem erfreute ich mich daran, wie toll ein kleines Mädchen schon durch den Hof lief und ihre Welt zu entdecken versuchte. Ich sagte der Mutter, wie wunderbar ich es finde, dass ihre Tochter laufen könne und mutig immer wieder auf`s Neue losgehe. Sie freute sich auch, entgegnete mir dann aber in einem entschuldigenden Tonfall: „Sie ist aber ein Spätzünder. Sie läuft ja jetzt erst, mit 16 Monaten …“

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neues Buch von Udo Baer: Traumatisierte Kinder sensibel begleiten – Basiswissen & Praxisideen

 

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen & Praxisideen

Dieses Buch ist soeben in der Reihe Nikolo bei Beltz erschienen und überall erhältlich.
Es ist vor allem für Fachkräfte in Kindergärten und Kitas geschrieben, aber auch für Grundschul-Lehrerer/innen und Therapeut/innen
ein nützlicher „Handwerkskoffer.

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen und Praxisideen,
Beltz Verlag, ca. 128 Seiten, ISBN:978-3-407-72766-4
Bestellung hier

„Für die sensible Trauma-Begleitung von Kindern bietet dieses Praxisbuch:

  • kompaktes Basiswissen rund um Traumata bei Kindern, z. B.: Was ist ein Trauma? Welche Ursachen und  Folgen kann es haben? Wie lässt es sich erkennen? Was tue ich bei einem Verdacht   und wie sollte ich mich verhalten?
  • einen umfassenden Praxisteil mit einer breiten Palette an Informationen und Angeboten, wie Kinder (trauma-)sensibel begleitet werden können, u. a. Gesprächshinweise, Fallbeispiele sowie Spiele und Übungen, die der Stärkung und der Überwindung von Traumafolgen dienen
  • zahlreiche Bilderbuchtipps, die Kindern und Fachkräften den gemeinsamen Zugang erleichtern. Die Ideen und Aktivitäten richten sich an die gesamte Kita-Gruppe, sodass die Fachkräfte gemeinsam mit allen Kindern einen sensiblen und unterstützenden Umgang mit dem Thema Trauma erfahren.“