Gedanken zur Diversität

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von Dr. Udo Baer

Teil 1: Gemeinsamkeiten würdigen

Diversität ist zunächst einmal eine Beschreibung, dass es unterschiedliche Gruppen von Menschen gibt. Anfangs wurde darunter die „sichtbare Diversität“ verstanden, also Unterscheidungen vor allem nach Aussehen und Hautfarbe. Dann wurde das Spektrum der Diversität erweitert auf weitere Unterscheidungen, zum Beispiel nach sexueller Orientierung, Religionszugehörigkeit und anderem mehr.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 15: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Kulturelle Unterschiede

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von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Es wird manchmal vermutet oder unterstellt, dass Kinder, die an traumatischen Erfahrungen leiden und aus anderen als der einheimischen Kultur kommen, anders damit umgehen oder gar die Schreckenserfahrungen anders spüren. Dazu sind einige Anmerkungen notwendig.

Erstens ist es mir wichtig zu betonen, dass menschliches Leid alle Menschen gleich betrifft. Ob ein Kind in Dresden oder in Aleppo geschlagen wird, ob es in Beirut oder München vergewaltigt wird, ob es seine Geschwister durch Bombenangriffe in der Ukraine oder in Afghanistan verliert – es ist das gleiche Blut das fließt; es ist der gleiche Schmerz, der gespürt wird; es ist die gleiche Not, die die Kinder und auch die Erwachsenen überkommt.

Wenn wir unter kulturellen Gesichtspunkten traumatische Erfahrungen betrachten, dann bildet der humanistische Aspekt den Boden. Alle Betroffenen sind Menschen, und im konkreten Leid gibt es keine kulturellen Unterschiede, keine religiösen, keine landsmannschaftlichen. Die einzigen Unterschiede liegen in den Besonderheiten der Empfindsamkeit oder der Widerstandskraft der einzelnen Individuen.

Dies zu betonen, ist uns wichtig, weil wir häufig der Haltung begegnen, dass man sich den traumatischen Erfahrungen der Kinder nicht widmen darf, weil man zu wenig über die kulturellen Unterschiede und Besonderheiten weiß. Wer Mitgefühl hat, weiß genug, um dieses Mitgefühl zu zeigen und Kinder zu schützen und zu trösten. Das ist meine grundlegende Aussage und meine immer wiederkehrende Aufforderung.

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Auf den Hund gekommen

von Claus Koch

Dressieren Sie Ihr Kind mit der „Hund-Kind-Methode“ wie einen Hund und alles wird gut. Das zumindest empfiehlt die Hundetrainerin Aurea Verebes in der vom Fernsehsender RTL Anfang Januar dieses Jahres zur besten Sendezeit um 19 Uhr auf den Weg gebrachten Serie „Train Your Baby like a Dog“: „Was tun, wenn das Kind ständig schreit, die Familie auf Trab hält und andere ärgert? Hilfe kommt jetzt aus der modernen Hundeerziehung – die ‚positive Verstärkung‘.“ (Originaltext RTL)

Zielgruppe dieser Sendung sind, seit es solche Fernsehformate gibt, Eltern, deren Kinder partout nicht das tun wollen, was von ihnen verlangt wird. Und die damit öffentlich zur Schau gestellt werden: Kinder, die nicht einschlafen wollen, Kinder, die keine Ruhe geben und stattdessen ständig in Bewegung sind, Kinder, die statt bedingungslos zu gehorchen, sich dem elterlichen Kommando widersetzen, Kinder, die nicht essen wollen, was auf den Tisch kommt, die nicht leisten, was Schule und Elternhaus von ihnen verlangt – das ganze klassische Programm. Die Frage nach dem „Warum“ kindlichen Verhaltens wäre solchen Formaten viel zu „intellektuell“, mit anderen Worten zu kompliziert und zeitraubend, wenn es doch auch einfacher geht.

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Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet – Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Der generelle Sinn von Hausaufgaben – Kritisch beleuchtet

Gastbeitrag von Patrick Breitenstein

Hausaufgaben sind für Kinder, Pädagogen, Lehrer und Eltern ein äußerst leidiges Thema. Ihr Nutzen hinsichtlich des Lernerfolgs ist umstritten. In diesem Beitrag werden verschiedene Studien beleuchtet, die Vor- und Nachteile von Hausaufgaben untersucht haben.

Der Fokus der Studien lag hierbei auch auf der Frage, welche Faktoren für eine nachhaltige Wirksamkeit von Hausaufgaben beachtet werden müssen. Zudem galt es herauszufinden, welche Alternativen es zum klassischen Konzept der Hausaufgaben zur Festigung des Lernstoffs gibt.

Den vollständigen Text finden Sie hier:

http://www.kinder-und-wuerde.de/wp-content/uploads/2020/11/Genereller-Sinn-von-Hausaufgaben-Kritisch-Beleuchtet.pdf

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 14: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder? – Erregung reduzieren

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von Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Bei allen Kindern ist wie bei uns Erwachsenen zu beobachten, dass der Verlauf von Aufgeregtheit und Entspannung in unterschiedlichen Phasen und Intensitäten aufeinander folgt. Sie werden Kinder kennen, die sehr aufgeregt sind, sich danach beruhigen, allein oder mit Hilfe anderer, und andere, die auf einem relativ hohen Erregungsniveau bleiben oder aber eher zu den stillen und ruhigen Kindern zählen. Die Erregungsverläufe sind typisch für alle Menschen, sie gehören zu den Grundqualitäten des Erlebens.

Bei Kindern mit traumatischen Erfahrungen sind häufig zwei Besonderheiten festzustellen. Zum einen kann das Erregungsniveau extrem schwanken. Phasen sehr hoher Erregung wechseln ab mit Phasen des Rückzugs und der scheinbaren Regungslosigkeit. Andere Kinder bleiben auf einem stetig hohen Erregungsniveau und drohen bei jedem kleinen Anlass zu explodieren. Dabei ist es unwichtig, ob die Erregung positive Freude ausdrückt oder Ärger und Zorn, entscheidend sind hier nicht die Qualität und der Inhalt der Erregung, sondern das Erregungsniveau.

Dass sich das Erregungsniveau bei traumatisierten Kindern so verändert, ist gut nachvollziehbar. Viele Attacken des Schreckens erfolgten überraschend, sodass überraschende und abrupte Erregungswechsel ein Ausdruck dieser Erfahrungen fortführen können und jede traumatische Erfahrung ist eine existenzielle Bedrohung, wie wir beschrieben haben, und existenzielle Bedrohungen sind aufregend. Deswegen kann dieses hohe Erregungsniveau sich bei traumatisierten Kindern in der Folge festsetzen.

Eine Hilfe sollte folglich darin bestehen, diese Kinder gemeinsam mit anderen Kindern darin zu unterstützen, ihr Erregungsniveau zu reduzieren. Das ist gar nicht so einfach, weil die Triebkraft der hohen Erregung, die traumatische Angst und der traumatische Schrecken, immer wieder neue Impulse der Hocherregung produzieren können. Dazu gebe ich hier einige Hinweise und Empfehlungen.

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Corona-Zeit: Folgen für Kinder – Erkennen und damit umgehen, Teil 7: Lernrückstände

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von Udo Baer

Die Corona-Pandemie und deren gesellschaftliche Auswirkungen haben Folgen für Kinder jeden Alters. Für manche sind sie stärker, für andere schwächer – je nach den Vorerfahrungen der Kinder und deren Lebensbedingungen. Es ist wichtig, von diesen möglichen Folgen zu wissen, um damit kindgerecht umgehen zu können. Denn die Kinder sprechen die Folgen oft nicht aus. Die Zahl der Kinder, die angeben, dass sie psychisch belastet sind, steigt seit dem Frühjahr enorm, laut der Copsy-Studie des Hamburger Universitätsklinikums, auf 71 Prozent.

Diese Thesen sollen erste Hinweise geben.

Kinder aus Familien, in denen kaum Deutsch gesprochen wird, aber auch Kinder, deren Eltern aus unterschiedlichen Gründen nicht als „Hilfslehrer“ fungieren können, kommen mit oft mit erheblichen Lernrückständen zurück in die Schule. Dies gilt auch und besonders für das Ende der Sommerferienzeit.

Für sie ist, auch kurzfristig, eine besondere Betreuung notwendig, damit sie das das Versäumte rasch wieder aufholen zu können. Auf keinen Fall dürfen sie deswegen, auch nicht von ihren Mitschülern, beschämt werden. Vielmehr sind aufmunternde Worte „Wir schaffen das schon“, denen entsprechende Taten folgen, notwendig. 

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen – aus aktuellem Anlass

Von Claus Koch

 

Erst im Jahr 2000 wurden in Deutschland alle Körperstrafen in der Kindererziehung aufgrund eines Gesetzes zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung verboten. Doch zwanzig Jahre später zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie des Uniklinikums Ulm im Auftrag des Deutschen Kinderschutzbundes und von UNICEF, dass das Schlagen von Kindern als Erziehungsmaßnahme bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung nach wie vor ziemlich verbreitet ist. So hält jede/r Zweite einen Klaps auf den Po für angebracht, jede/r Sechste sogar Ohrfeigen. Da sich heutzutage immer weniger Menschen unverhohlen für Gewalt gegen Kinder aussprechen, dürfte die Dunkelziffer derer, die Schläge als ein geeignetes Mittel zur Erziehung sehen, wohl noch höher liegen.

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Corona-Zeit: Folgen für Kinder – Erkennen und damit umgehen, Teil 6: Rückschläge bei Bindungsfähigkeiten

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von Udo Baer

Die Corona-Pandemie und deren gesellschaftliche Auswirkungen haben Folgen für Kinder jeden Alters. Für manche sind sie stärker, für andere schwächer – je nach den Vorerfahrungen der Kinder und deren Lebensbedingungen. Es ist wichtig, von diesen möglichen Folgen zu wissen, um damit kindgerecht umgehen zu können. Denn die Kinder sprechen die Folgen oft nicht aus. Die Zahl der Kinder, die angeben, dass sie psychisch belastet sind, steigt seit dem Frühjahr enorm, laut der Copsy-Studie des Hamburger Universitätsklinikums, auf 71 Prozent.

Diese Thesen sollen erste Hinweise geben.

Viele Kinder leiden unter Bindungsstörungen oder Bindungsunfähigkeit. Bindungsvermögen ist die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen auf vertrauensvolle Beziehungen einzulassen. Kinder, die negative Bindungserfahrungen hatten und in Kita und Schule begonnen haben, ihre Bindungsfähigkeit aufzubauen, erleiden durch die Corona-Erfahrungen oft Rückschläge.

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Warum spielt ein Kind?, Teil 2: Phantasiespiel und die Bedeutung von „Intermediärräumen“

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von Dr. Claus Koch

Phantasiespiel und die Bedeutung von „Intermediärräumen“

In der spielerischen Begegnung mit dem anderen entstehen, was der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott „unsichtbare Intermediärräume“ nennt. In diesem Räumen kommen die Innenwahrnehmung (mir geht es gut) und Außenwahrnehmung (der andere/die Welt kommt auf mich zu) zusammen. Neben solcherart Begegnung entstehen in dieser „Zwischenzone“ für das Kind aber auch „Möglichkeitsräume“, die es mit seiner eigenen Phantasie bereichert. Solche Spiel-Intermediärräume ergeben sich zwischen seiner eigenen Phantasie im Wechselspiel mit der äußeren Realität. Das Alter von 3 bis 6 Jahren, das der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget auch als die Phase „magischen Denkens“ bezeichnet hat, eignet sich für solche Phantasiespiele ganz besonders. Und hier eröffnet sich dem Kind eine Welt, in der es sich ganz nach eigenem Belieben ausmalen kann, was sein könnte, was sein würde, wenn …

Das vierjährige Kind setzt sein Holzschiff, das eigentlich nur ein kleiner Ast ist, in den Bach. Aus dem Holzstück wird ein Segelboot, im Segelboot sitzt es selbst und fährt den langen Fluss bis zum Meer. Wenn das Boot kentert, kommen ihm andere Boote zu Hilfe. Die ganze Reise spielt sich in der Phantasie des Kindes ab. Ebenso wenn sich das Kind in seiner Phantasie mit der oder dem identifiziert, die oder der es gerne sein will: Die Fee, die zaubern kann, das kleine Fohlen, das seine Mama sucht, der Baggerführer, Bauarbeiter, die Ärztin, die ein Kuscheltier wieder gesund macht, die Artistin, die bis unter die Zirkuskuppel schwebt und wenn auch nur am unteren Ast eines Baumes.

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Warum spielt ein Kind?, Teil 1

This entry is part 1 of 2 in the series Warum spielt ein Kind?

von Dr. Claus Koch

 

Immer wieder sehen wir erstaunt und fast ehrfürchtig spielenden Kindern zu, egal welchen Alters. Was uns Erwachsene fasziniert sind die Spontaneität und die Selbstvergessenheit des kindlichen Spiels und wie Kinder dabei eine vielen Erwachsenen schon verlorengegangene Lebensfreude ausdrücken. Und dies geschieht sogar oft unabhängig von der Wirklichkeit, in der sie gerade aufwachsen. Wenn sie versuchen, in den Krisengebieten dieser Welt und Flüchtlingslagern ihrem Alltag wenigstens für eine kurze Zeit zu entfliehen. Häufig findet dann von uns Erwachsenen eine Idealisierung kindlichen Spiels statt, und wir vergessen zwischen den uns anrührenden Bildern das Elend, von dem die Kinder sich selbst (aber nicht uns!) ablenken wollen. Und trotzdem: auch diese Kinder spielen!

Im folgenden Beitrag geht es mir um die Klärung der grundsätzlichen Frage, warum Kinder überhaupt spielen. Ist es ihr, wie häufig betont wird, „angeborener Spieltrieb“ oder muss „Spielen“ erst gelernt werden. Was ist spielfördernd und was erstickt die Spiellust von Kindern? Und was ist die, etwas sperrig und eigentlich schon spielfeindlich ausgedrückt, Funktion kindlichen Spielens?

Ich werde in diesem Beitrag den vielen existierenden Spieltheorien keine weitere hinzufügen. Der Hinweis soll reichen, dass sich sämtliche Theorien darüber einig sind, dass das Spielen von herausragender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern ist. Alle Kinder, ob Tier- oder Menschenkinder, versuchen zunächst im Spiel, ihre nähere Umgebung zu erforschen und daraus lernen sie, sich in der Welt mit ihren Annehmlichkeiten, Gefahren und Notwendigkeiten gleichsam spielerisch auseinanderzusetzen.

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