Gender. Die Welt in rosa und blau.

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

Ein Kaufhaus in der Stadt: Zwei Schaufenster, eines ganz in Pink und Rosa, eines ganz in Blau. In dem rosa Schaufenster: Playmobil City Life. Auf der Verpackung ein Einkaufsladen in rosa Ausstattung – im Laden drei, natürlich, Frauen beim Shoppen. Über allem thront eine Eistüte, mit, natürlich, rosa Eis. Playmobil Dollhouse: Schriftzug rosa: Darunter ein Kinderzimmer: Blaues Bett für den kleinen Sohn, rosa Bett mit Schmuckleiste für die kleine Tochter. Playmobil  Fashion Girls: Eine ganze Boutique in Rosa und Pink. Zwei Mädels beim shoppen und anprobieren. Playmobil Princess: Pferd mit rosa Mähne vor weiß-lila Kutsche. Frau in einem rosa Schlafzimmer bei der Anprobe. Daneben das blaue Schaufester: Playmobil Top Agents.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 1 und 2

This entry is part of 1 in the series Elternarbeit in Schule und Kindergarten

Beitrag von Dr. Udo Baer

 

In der Elternarbeit treten in Schule und Kindergarten öfters Probleme auf und es entstehen Fragen. Wir werden in den folgenden Beiträgen versuchen, einige dieser Fragen zu beantworten und praktische Hinweise zu geben. Die Beiträge erscheinen in unregelmäßiger Reihenfolge in diesem Blog.

 

  1. Das Dreieck: Kind-Eltern-Lehrer/innen/Erzieher/innen

Elternarbeit geht in ihrer Bedeutung weit darüber hinaus, die Eltern nur über die Leistungen in Schule und Kindergarten zu informieren. Kindergärten und Schulen sind Stätten, in denen Kinder in ihrer Sozialisation und Identitätsentwicklung wesentliche Erfahrungen machen. Nur wenn Eltern und Lehrer/innen/Erzieher/innen ein Arbeitsbündnis herstellen können, kann das Kind davon optimal profitieren. Die Entwicklung eines solchen Bündnisses ist deshalb zentrales Anliegen und Ziel der Elternarbeit.

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Gastbeitrag: Die Praxis der gleichen Würde, von Jesper Juul

Die Praxis der gleichen Würde
Von Jesper Juul

Egal, wie problematisch wir das Verhalten von Kindern empfinden,wir sollen nie aufhören, sie als Menschen gleicher Würde zu behandeln.

Wenn wir verhaltensauffälligen Kindern unsere Aufmerksamkeit zuwenden, dann konzentrieren wir uns in der Regel auf ihr unangepasstes Verhalten.
Wir nehmen diese Kinder nicht wahr als die, die sie sind, sondern versuchen zu erklären, warum sie so geworden sind, wie sie sind. Wir forschen nach Ursachen von Symptomen. Fast ein ganzes Jahrhundert lang haben Psychologie und Pädagogik versucht, Verhalten zu klassifizieren, nach Symptomen zu ordnen, Symptome und Störungen zu diagnostizieren. Dies alles in der Annahme, dass wir bei exakter Diagnose eine Methode zur Behandlung abweichenden Verhaltens entwickeln könnten. Auf diese Weise behandeln wir nicht Menschen, sondern Symptome.

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Pubertät – Zeit des Wandels und der Selbstfindung

von Claus Koch

Pubertät bedeutet Abschied nehmen und Aufbruch.

Abschied: Die enge Bindung zu den ersten und wichtigsten Bezugspersonen, den Eltern, lockert sich immer mehr. Freunde werden immer wichtiger.

Aufbruch: Zeit der Identitätsfindung: „Wer bin ich?“ Die, als die mich meine Eltern, meine Freunde, meine Lehrer sehen? Oder der, als den ich mich selbst vorstelle.

Und dann noch die Frage: „Was will ich sein?“

Auf die existenziellen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit in der frühen Kindheit folgen in der Pubertät also die existenziellen Fragen. Es ist die Zeit, sich in den eigenen Zeichnungen und Bildern wiederzufinden, in einem Instrument, im Sport, beim Theater spielen und im Schreiben. Tagebuch und erste Gedichte.

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Lösungsorientierte Pädagogik?

Ein Beitrag von Udo Baer

Eine Lehrerin sagte im Anschluss an eine „Pädagogische Balintgruppe“[1]: „Wir sind immer viel zu schnell auf Lösungen aus. Wenn es ein Problem mit einem Schüler oder Eltern gibt, wollen wir sofort Lösungen.“

Lösungen zu suchen, ist ja richtig. Doch der Weg ist entscheidend. Der Weg P – L (Problem – Lösung) ist zu kurz und führt deshalb häufig zu falschen, zumindest nicht nachhaltigen Ergebnissen. Ein Zwischenschritt ist notwendig: P – A – L. A steht für Achtsamkeit und Innehalten.

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Und am Ende zählt nur der „Schnitt“ – ein kritischer Beitrag zum Tag der Einschulung von Claus Koch

Beitrag von Claus Koch

Jetzt ist es wieder soweit: Landauf, landab verlassen die Kinder ihre Kitas und mit ihrer Einschulung beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. Neugierig sind sie und aufgeregt. Das Abenteuer Schule kann anfangen! Stolz stellen sie fest, bald nicht mehr zu den „Babys“ zu gehören, die noch nicht einmal schreiben, lesen und zählen können. Fast alle freuen sich, endlich in die Schule zu kommen. Dahinter verbirgt sich ihre unausgesprochene Erwartung, immer selbstständiger zu werden, die Welt auf eigene Faust zu entdecken, sie erklären zu können und immer mehr verstehen zu lernen, was um sie herum geschieht. Um es so zu verändern, wie sie es sich vorstellen.

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Wie Pädagogik die Identität fördert

Alle Jahre wieder kocht die pädagogische Diskussion hoch, ob man Kinder mehr unterstützen und fördern soll oder eben stärkere Rahmenbedingungen setzen und sich ihnen mehr als ein Gegenüber verhalten soll. Diese Diskussion zwischen „harter“ und „weicher“ Pädagogik, zwischen „Unterstützung“ und „Grenzen“, ist so alt, wie es die Diskussion um Erziehung und Pädagogik gibt. Eine Orientierung in dieser Diskussion können wir finden, wenn wir uns damit beschäftigen, welchen Einfluss die Erziehung und Pädagogik auf die Identitätsentwicklung eines Kindes hat.

Der Wortstamm des Begriffes „Identität“ enthält das Wort „idem“ aus dem Lateinischen, das „derselbe“ bedeutet. Identität beinhaltet die Eigenheit, das Besondere eines Menschen. Stefan Jakobs nimmt sich als Stefan Jakobs wahr, egal ob er 7, 17 oder 70 Jahre alt ist, ob sich sein Gewicht, seine Frisur, seine Kleidung verändert, und er wird von anderen als Stefan Jakobs „identifiziert“.

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Gastbeitrag von Jesper Juul: Gewalt und Radikalisierung vermeiden – eine Anleitung*

*Aus dem Schweizer Elternmagazin, mit freundlicher Genehmigung von Jesper Juul

Wie Aggression, Gewalt und potenzieller Radikalisierung in Kindergärten und Schulen vorgebeugt werden kann, erklärt der renommierte dänische Familientherapeut Jesper Juul in diesem Fachartikel für Experten. Ein exklusiver Beitrag, der auch Eltern wichtige Einblicke in eine hochaktuelle Thematik gibt.

Diese Anleitung beschreibt, wie und warum wir einen höheren Grad an Gewalt und Aggression in Kindergärten und Schulen erwarten können, die aus der ablehnenden europäischen Haltung gegenüber den Flüchtlingen resultiert, und wie wir mit dieser Situation  als Lehrer und Eltern umgehen können. Der Text illustriert die unterschiedlichen und doch  identischen Quellen von Aggression bei europäischen und geflüchteten Kindern und  Jugendlichen, und die Notwendigkeit neuer pädagogischer Ansätze. Mit dem Begriff  «Prävention», den ich hier benutze meine ich Primärprävention. Da es über den  Zusammenhang zwischen politischen und kulturellen Haltungen gegenüber Migranten und  Flüchtlingen und dem Auftreten von Aggression und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen  keinerlei Forschungsergebnisse gibt, sind die in Folge beschriebenen Ansprüche und  Vorhersagen nicht evidenzbasiert, sondern erfahrungsbasiert. Weiter lesen

Beziehungspädagogik braucht Teamarbeit

„Nie mehr allein. Die neuen Lehrer: Während Pädagogen Einzelkämpfer waren, werden sie jetzt zu Teamplayern“ – jubelt die „Zeit“ am 25. Februar dieses Jahres und bezieht sich mit dieser Überschrift auf eine Studie der „Bertelsmann Stiftung“ „Lehrerkooperation in Deutschland. Eine Studie zu kooperativen Arbeitsbeziehungen der Sekundarstufe I“, in der mehr als 1.000 Lehrer zu ihrer Arbeit und ihrem Selbstbild befragt wurden. „So gut wie alle Pädagogen (97%) meinen, dass Lehrer heute im Team zusammenarbeiten müssen. Zwei Drittel sprechen schon jetzt regelmäßig miteinander über einzelne Schüler, geben sich Tipps für die nächste Mathe- oder Deutschstunde oder tauschen Arbeitsblätter oder Bücher aus“, hieß es da fast triumphierend. Weiter lesen