„Spätzünder?“

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Vor kurzem erfreute ich mich daran, wie toll ein kleines Mädchen schon durch den Hof lief und ihre Welt zu entdecken versuchte. Ich sagte der Mutter, wie wunderbar ich es finde, dass ihre Tochter laufen könne und mutig immer wieder auf`s Neue losgehe. Sie freute sich auch, entgegnete mir dann aber in einem entschuldigenden Tonfall: „Sie ist aber ein Spätzünder. Sie läuft ja jetzt erst, mit 16 Monaten …“

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Liebe Leserinnen und Leser,


im Pädagogischen Institut Berlin (PIB) gehen wir bei unserer Arbeit von dem Grundgedanken aus, dass jedes pädagogische Handeln nur in Beziehung stattfindet und durch Beziehung wirkt. Doch das, was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, ist in der Praxis oft gar nicht so einfach zu haben. Wie also gelingt Beziehung in Pädagogik und Erziehung? Was sind die Grundlagen? Wie schaffen wir pädagogische Räume, in denen Bindung und Beziehung nicht nur diskutiert und angesprochen werden, sondern wir sie im Kita- oder Schulalltag auch erproben und mit Erfolg an ihnen arbeiten können? Deswegen ab jetzt dieser neue Newsletter. Darin wollen wir Ihnen fachliche Beiträge bereitstellen, darüber hinaus gibt es Buchempfehlungen, Praxistipps, interessante Links, Hinweise auf Veranstaltungen und vieles mehr. Neben unseren verschiedenen Beiträgen im Blog www.kinder-und-wuerde.de mit seinem umfangreichen Archiv und unserer Homepage www. paedagogisches-institut-berlin.de soll dieser Newsletter unser Angebot an Sie ergänzen und wir würden uns freuen, wenn Sie ihn auch an Ihre Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen würden.

Herzlichst Ihr
Dr. Udo Baer und Dr. Claus Koch, September 2018
Pädagogisches Institut Berlin  PIB

Wenn Anerkennung innere Leere füllen muss

Dr.Claus Koch

In meinen beiden Beiträgen auf dem Blog Kinder-und-Wuerde.de, „Werden, wie man sich selbst empfindet“ und „Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziales Dominanzstreben“, beide zu finden im „Blogarchiv“, habe ich mich bereits mit zwei in Zusammenhang mit bindungstheoretischen Überlegungen immer wieder auftauchenden Begriffen, nämlich Selbstwert und Selbstwirksamkeit, kritisch auseinandergesetzt. Dabei ging u.a. um die Fragestellung, was das Selbstgefühl vom Selbstwertgefühl unterscheidet und was geschieht, wenn Selbstwert und Selbstwirksamkeit sich unreflektiert mit sozialem Dominanzstreben verknüpfen. In diesem Beitrag will ich diese Kritik an Schlüsselbegriffen der Bindungstheorie mit Bezug auf den auch von mir häufig benutzten Begriff der „Anerkennung“ fortsetzen.
Anerkennung ist die elementare Grundvoraussetzung von Ichbildung und Identitätsfindung. Der Wunsch anerkannt zu werden gehört zudem zu den existenziellen Bedürfnissen jedes Kindes. Im Säuglings- und Kleinkindalter zeigt sich der Prozess von Anerkennung zunächst darin, wie die bedeutendsten Bezugspersonen des Kindes auf die Blicke, die Gesten und später die Worte des Kindes reagieren. Also darin, wie die Mutter oder der Vater den Blick des Kindes liebevoll aufnehmen und erwidern, wie sie seine ausgetreckten Arme ergreifen oder auf seine ersten Worte, sie dabei oft wiederholend, antworten. „Ich werde gesehen, ich werde gehört, also bin ich“ – so beginnt jedes Kind seine Reise zum eigenen Ich.

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Flüchtlingen (nicht) helfen?

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Schon kleine Kinder haben, wie wissenschaftliche Studien zeigen, ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit. Hindert ein blaues Viereck einen Ball daran, einen Hang hinaufzurollen und ist ein grünes Dreieck hingegen bemüht, dem Ball durch Anschubsen aufwärts zu helfen, bevorzugen schon die Allerkleinsten die Farbe des „Helfers“.

In den vergangenen Wochen ist, angestoßen durch einen zumindest missverständlichen Beitrag in der liberalen Wochenzeitung „Die Zeit“, erneut ein Diskussion darüber entbrannt, ob man in Seenot geratene Flüchtlingen vor dem Ertrinken retten soll, bzw. ob durch solche Rettungsaktionen nicht das Geschäft von Schleusern unterstützt werde, die auf die Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen schließlich spekulieren würden. Während der Artikel in der „Zeit“ die Frage noch offen ließ, machen fremdenfeindliche Parteien jedweder Couleur keinen Hehl daraus, diese Menschen „zur Abschreckung“ auch mal ertrinken zu lassen. In beiden Fällen geht es um dieselbe Fragestellung, nämlich ob es erlaubt ist, Menschen, die in Seenot geraten, aus einem übergeordneten Prinzip heraus ihrem Schicksal überlassen. Darum, dass die Würde des Menschen eben nicht unteilbar ist, wie es unser Grundgesetz festschreibt, sondern je nach politischer Einschätzung Einschränkungen erlaubt sind.

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Asperger-Syndrom benannt nach einem Mordgehilfen

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Nach dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger wurde das „Asperger-Syndrom“ benannt, eine besondere Form des Autismus. Abgesehen davon, dass die Diagnosen des Autismus einschließlich des Asperger-Syndroms auf dem Prüfstand stehen, weil sie sich als zweifelhaft erwiesen haben, ist es dringend notwendig, den Namen „Asperger“ in der Bezeichnung von Symptomatiken von Kindern zu entfernen.

Warum? Weil Asperger ein Mordgehilfe der Nazis war. Aus Karrieregründen bekannte er sich zur „Rassenhygiene“ und schickte Kinder aus seiner Klinik in den „Spiegelgrund“, eine Anstalt in der Nähe von Wien, in dem Kinder als „unwertes“ Leben brutal in den Tod getrieben und direkt ermordet wurden. Das war damals überall in Wien bekannt, erst recht, als die Allierten über Wien 1941 Flugblätter abgeworfen, in denen die Vorgänge im „Spiegelgrund“ detailliert beschrieben wurden. Asperger wurde zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit Gutachter für das Wiener Gesundheitsamt und schickte 35 Kinder als „aussichtslose Fälle“ in den „Spiegelgrund“.

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Jugend ohne Bindung, Teil 2: Projektkinder, der Fetisch „Leistung“ und der Wunsch nach Selbstoptimierung.

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Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

In meinem letzten Beitrag „Bindungstheoretische Überlegungen zu den Wurzeln und Flügeln der 68er-Bewegung“ bin ich auf die Bindungslosigkeit der Nachkriegsjugend eingegangen, wie sie aus den Erziehungsmaximen ihrer Eltern resultierte, die sie aus der Kaiserzeit übernahmen und die später um die Erziehungsziele der Nationalsozialisten erweitert wurden. Der dagegen gerichtete Protest vieler Jugendlicher aus der 68er Generation öffnete ihnen die Möglichkeit, sich von den althergebrachten Vorstellungen ihrer Eltern zu lösen, neue Erziehungsziele zu formulieren und ein „Gegenmodell“ zum Leben der eigenen Eltern zu entwerfen. Von einem solchen „Generationskonflikt“ sind die heutigen Kinder und Jugendlichen weit entfernt. Die überwiegende Mehrheit von ihnen, laut jüngster Jugendstudien 70 bis 80 Prozent, wollen ihre Kinder später einmal genauso erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Das Verhältnis zu den Eltern ist heute partnerschaftlich geworden, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen werden respektiert, Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 7: Ihre Fachkompetenz und Ihre Würde

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Immer wieder einmal erfahren in Elterngesprächen Fachkräfte, dass ihre Vorschläge und Anregungen nicht angenommen werden. Ihre professionelle Haltung fordert dann, sich weiter zu bemühen, mit den Eltern gemeinsam Lösungen zu finden und vor allem nach Wegen zu suchen, um eine Vertrauensbasis herzustellen, auf deren Boden dann überhaupt erst die Suche nach Lösungen möglich ist. Doch Sie sollten nicht vergessen, dass Sie Fachfrauen oder Fachmänner sind. Sie können durchaus sagen: „Als Fachfrau schlage ich vor, dass ….“ Selbstverständlich wäre es besser, wenn solche Einsichten sich im Gespräch gemeinsam entwickeln, aber manchmal gelingt dies nicht. Dann ist die Betonung Ihrer fachlichen Kompetenz unabdingbar.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 6: Einstiege in Elterngespräche

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Zum Einstieg in ein Elterngespräch sollten die Begrüßungsrituale knappgehalten werden. Sie können Vertrauen schaffen und bei manchen Menschen ist das wichtiger als bei anderen, Doch es lohnt sich, dass Sie den Eltern relativ früh sagen, worum es geht, was Sie beabsichtigen und sie fragen, was sie für Interessen haben. Seien Sie offen und klar. Dass lädt auch die Eltern ein, möglichst offen und klar zu sein.

Einen zweiten Hinweis haben wir schon in einem anderen Beitrag erwähnt. Wenn Sie konkrete Anliegen haben, die das Kind betreffen und wenn Sie auf bestimmte Veränderungen hinauswollen (zu spät kommen, Aggressivität, Beteiligung am Unterricht …), dann ist es sinnvoll, sich möglichst konkret vorzubereiten, indem Sie sich Daten, Fakten und Beispiele notieren. Wenn Sie diese Daten und Fakten dann den Eltern vortragen, haben die Eltern die Möglichkeit, sie zu bewerten. Wenn Sie sofort mit einer Bewertung beginnen, entsteht häufig der Reflex, dass die Eltern das Kind in Schutz nehmen und Ihre Einschätzungen als Vorwürfe betrachten und abwehren. Wenn Sie beispielsweise berichten, dass das Kind in den letzten zwei Monaten an sieben Tagen zu spät gekommen ist, dann können Sie die Eltern fragen, wie sie das bewerten, und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. Wenn Eltern nicht in der Lage oder nicht Willens sind, solche Einschätzungen vorzunehmen, dann – und erst dann – ist es wichtig, dass Sie als Fachkraft sagen: „Das geht nicht.“ Oder: „Wir müssen Wege suchen, daran etwas zu ändern.“ Also auch hier gilt es, alles zu tun, damit ein Bündnis mit den Eltern hergestellt werden kann.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 5: Wie geht Andocken?

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Bei Gesprächen mit Beziehungsstörungen oder -belastungen gibt es einen bewährten Grundsatz. Er heißt: Erst andocken, dann verändern. Wenn Sie die Beziehung mit einem Elternteil oder den Eltern verändern oder weiterentwickeln wollen, wenn Sie die Unterstützung der Eltern bei Ihren Bemühungen um das Kind anstreben, setzt das voraus, dass Sie zunächst einmal überhaupt eine gemeinsame Gesprächsebene finden. Also bedarf es eines Andockens an das, was der Gesprächspartner möchte, was ihn bewegt, was ihn umtreibt. Wenn Sie auf zwei verschiedenen Spuren fahren, werden Sie sich nie begegnen und weiter aneinander vorbeireden. Einige Hilfen, die dazu beitragen können, eine Begegnungsebene zu schaffen, sollen hier angeführt werden. Welche und wie Sie diese einsetzen und verwenden, hängt vom Gespräch ab, von Ihrer Persönlichkeit, vom Gegenüber usw. Nehmen Sie dies als Anregungen.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten: Elterngespräche, Teil 3 und 4

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Beitrag von Dr. Udo Baer

 

In der Elternarbeit treten in Schule und Kindergarten öfters Probleme auf und es entstehen Fragen. Wir werden in den folgenden Beiträgen versuchen, einige dieser Fragen zu beantworten und praktische Hinweise zu geben. Die Beiträge erscheinen in unregelmäßiger Reihenfolge in diesem Blog.

 

  1. Verantwortung

 

Wenn Sie als Lehrer/in bzw. Erzieher/in mit den Eltern ein Gespräch über das Kind führen oder wenn Sie zu dritt, wenn das Kind dabei ist, über die Entwicklung in Kindergarten und Schule reden, dann haben Sie als Fachkraft die Hauptverantwortung für den Verlauf des Gespräches. Sie sollten den Einstieg bestimmen und Sie sollten die Verantwortung dafür übernehmen, den Eltern (und dem Kind) Rückmeldungen zu ihren Kindern zu geben.

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Gender. Die Welt in rosa und blau.

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

Ein Kaufhaus in der Stadt: Zwei Schaufenster, eines ganz in Pink und Rosa, eines ganz in Blau. In dem rosa Schaufenster: Playmobil City Life. Auf der Verpackung ein Einkaufsladen in rosa Ausstattung – im Laden drei, natürlich, Frauen beim Shoppen. Über allem thront eine Eistüte, mit, natürlich, rosa Eis. Playmobil Dollhouse: Schriftzug rosa: Darunter ein Kinderzimmer: Blaues Bett für den kleinen Sohn, rosa Bett mit Schmuckleiste für die kleine Tochter. Playmobil  Fashion Girls: Eine ganze Boutique in Rosa und Pink. Zwei Mädels beim shoppen und anprobieren. Playmobil Princess: Pferd mit rosa Mähne vor weiß-lila Kutsche. Frau in einem rosa Schlafzimmer bei der Anprobe. Daneben das blaue Schaufester: Playmobil Top Agents.

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