Klänge der Zugehörigkeit, Lieder der Sehnsucht, Teil 3: Wie klingt Ehre?

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von Dr. Udo Baer

Erfahrungen und Konzepte interkultureller musiktherapeutischer und musikpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (2005)

Mehmed aus dem Kosovo wusste, was Ehre ist und was nicht. Die Ehre ist für viele Migranten ein Relikt aus vorgerichtlichen und vorstaatlichen Zeiten, eine Norm des Handelns bei Grenzverletzungen und der Rache wegen Ehrverletzung, also der Ausübung von Gerechtigkeit, wenn es keine oder nur korrupte Staats- und damit auch Gerichtsorgane gibt.

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Klänge der Zugehörigkeit, Lieder der Sehnsucht, Teil 2: Der Subtext der Resignation

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von Dr. Udo Baer

Erfahrungen und Konzepte interkultureller musiktherapeutischer und musikpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (2005)

In der musiktherapeutischen Arbeit mit Migrantinnen und deren Kindern begegnen wir viel Resignation. Manchmal ist die Resignation getarnt mit ihrem Gegenteil, also mit übermütigem, jedoch bodenlosem Tatendrang und unrealistischen Projekten („Was ich alles machen würde, wenn …“). Ihr häufigster Ausdruck ist Melancholie. Oft bleiben Migrantinnen in dem, was sie bewegt, in der Vergangenheit stecken oder träumen von unerreichbaren Zukunftsvisionen, geben schließlich auf und verlagern ihre Träume auf die nächste Generation.

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Klänge der Zugehörigkeit, Lieder der Sehnsucht, Teil 1: Interkulturelle Musiktherapie und -pädagogik zwischen Ideal und Realität.

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von Dr. Udo Baer

Erfahrungen und Konzepte interkultureller musiktherapeutischer und musikpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ( 2005)

Wird der Begriff „interkulturell“ positiv verwendet, unterstellt er die Begegnung zweier oder mehrerer Kulturen und beinhaltet den Wunsch oder gar das Versprechen, dass sich diese Begegnung als fruchtbar für die Entwicklung jeder einzelnen Kultur und deren Zusammentreffen erweisen möge. Wäre dem so, bedürfe es kaum der Musiktherapie in der interkulturellen Arbeit. Wäre interkulturelle Arbeit eine Begegnung zwischen Angehörigen verschiedener in sich halbwegs stabiler Kulturen, dann käme es zu einer Begegnung der Poeten und Musikerinnen, der Sängerinnen und Künstler. Wozu dann Musiktherapie?

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Aus der Praxis, für die Praxis: Mia dirigiert

Beitrag von Dr. Udo Baer

In der Schule (oder im Kindergarten) haben wir oft mit Kindern zu tun, die schüchtern sind oder von den lauteren Kindern überstimmt und übertönt werden. Besonders für diese Kinder ist es sinnvoll, dass sie die Möglichkeit bekommen, ein Orchester zu dirigieren.

Eine Dirigentin/ein Dirigent geben dem Orchester vor, welche Musik wie gespielt wird. Sie sind wirksam. Diese Erfahrung ermöglichen wir Kindern, indem sie eingeladen werden, Dirigent/in zu spielen. Dazu braucht es ein Orchester. Die gesamte Gruppe/Klasse oder ein Teil von ihnen wird zu Musikern erklärt. Die Musiker können auf einem Instrument spielen oder als Chor summen oder singen. Es kann ein bestimmtes Lied gesungen werden oder es wird frei musiziert – ganz im Belieben. Ein Kind wird zum Dirigenten oder zur Dirigentin erklärt und erhält einen Taktstock, ein kleines Stöckchen, mit dem dirigiert werden kann (oder sie verwendet ihre Finger als Taktstock).

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Gesundheit Teil 5: Weich bleiben bei chronischen Erkrankungen

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Zahlreiche Kinder leiden unter chronischen Erkrankungen. Das Spektrum dieser Erkrankungen ist sehr breit und reicht von starken Allergien und Asthma über Epilepsie, Herzerkrankungen, Diabetes, chronische Darmentzündungen, Kopfschmerzen/Migräne bis hin zu ADS/ADHS.

Wenn ein Kind unter einer chronischen Erkrankung leidet, führt dies bei den Kindern und im gesamten familiären Umfeld oft zu einer Verhärtung. Die Eltern machen sich Sorgen und müssen oft kontrollieren, dass das Kind zum Beispiel nichts Falsches isst. Für das Kind gilt dies genauso. Kontrolle ist notwendig. Und dauerhafte Kontrolle kann zu einer verhärteten Atmosphäre führen. Die spielerische Leichtigkeit der Kinder und der spielerische Umgang mit den Kindern können zurücktreten hinter ein angespanntes Kümmern. Die Hochspannung ist nicht wegzubeschließen. Ein Kind, das schwer allergisch ist und wo jeder Bissen eines allergenen Lebensmittels zu lebensgefährlichen Attacken führen kann, braucht Kontrolle.

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Gesundheit Teil 4: Die Montagskrankheiten!?

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Viele Eltern berichten davon, dass Kinder oft montags krank werden. Auch Erzieher/innen und Lehrer/innen machen diese Erfahrung. Oft klagen diese Kinder über allgemeine Schmerzen („der Kopf“, „der Bauch“) oder Erschöpfung („zu schlapp“). Konkrete körperliche Befunde sind oft nicht festzustellen.

Es liegt nahe, dass diesen Kindern der Wechsel vom familiären Wochenende zur Schule nicht „bekömmlich“ ist. Es gibt für solche Montagserkrankungen keine einfachen Erklärungen, aber diese sollten Anlass sein, sich mit den Kindern zu beschäftigen und sich beziehungsweise die Kinder zu beobachten und zu befragen. Manchmal sind diese Erkrankungen ein Anzeichen dafür, dass in der Schule etwas nicht stimmt, dass Kinder gemobbt werden oder unzufrieden sind, dass sie beschämt werden, dass sie unter zu hohem Leistungsdruck stehen oder anderes mehr. Bei anderen kann eine Quelle der Montagserkrankung am Wochenende liegen, zum Beispiel in der Sorge um die Erkrankung der Mutter oder als Nachhall von ausgesprochenen oder unausgesprochenen Streitigkeiten zwischen den Eltern.

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Gesundheit Teil 3: Wenn Scham zündelt……

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Beitrag von Dr. Udo Baer

Dass Kinder sich schämen, ist normal. Die Scham oder Peinlichkeit ist ein Gefühl, das auftritt, wenn Menschen die Grenzen ihrer Intimität verteidigen. Es wird einem Menschen peinlich, wenn andere etwas mitbekommen, was sie nicht wahrnehmen sollen. Wenn ein Kind einen Fehler gemacht hat, können Schamgefühle auftreten. Oder wenn Kinder Geheimnisse bewahren wollen, zum Beispiel, dass sie eine andere Schülerin oder einen anderen Schüler „gern haben“, dann kann es ihnen peinlich sein, dass andere etwas davon mitbekommen.

All dies bezeichnen wir als „natürliche“ Scham. Ein Gefühl, das nützlich ist, um die Grenzen der eigenen Intimität zu bewahren. Doch daneben gibt es die Beschämung, die sich zunächst einmal genauso anfühlt wie die natürliche Scham. Doch die natürliche Scham kommt von innen, die Beschämung kommt von außen. Beschämung bedeutet, dass Menschen vorgeführt und entblößt werden. Beschämung ist oft damit verbunden, dass jemand zu „…“ ist: zu dick, zu dünn, zu schlau, zu dumm, zu deutsch, zu ausländisch, zu groß, zu klein usw..

Beschämung hat für diejenigen, die davon betroffen sind, keinen Sinn. Sie verletzt und erniedrigt. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Kinder darin unterstützen, sich gegen Beschämung zu wehren. Die Kinder brauchen gegen die Beschämung Parteilichkeit. Und sie brauchen uns Erwachsene als Vorbilder, dass auch wir voran gehen, gegen Beschämung aufzutreten.

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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr auf eure Handys schaut“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Am 8. September zog ein kleiner, aber lauter Demonstrationszug durch Hamburg. Dutzende Kinder waren der Einladung des siebenjährigen Emil gefolgt, um unter dem Motto „Spielt mit mir, nicht mit euren Handys“ gegen den Handy-Konsum ihrer Eltern zu protestieren. Auch andere Parolen wurden gerufen: „Am Sandkasten Handyfasten“ oder „Chatte mit mir“. Natürlich wurde die Kinder-Demo von Erwachsenen mit initiiert, und dennoch war sie für die mitmarschierenden Kinder eine tolle Übung in Sachen Selbstwirksamkeit: Greift die Mama oder der Papa am nächsten Tag beim Abendessen zum Handy genügt ein strafender Blick, um es schuldbewusst beiseite zu legen.

Ein paar Wochen später macht der SPIEGEL zum selben Thema auf: „Mein Kind, sein Handy und ich“. Das Titelbild zeigt einen Jungen an der Hand seiner Mutter, tief gebückt in sein Handy versunken. Was dann doch einigermaßen verwundert: Denn eigentlich sieht man es auf unseren Straßen, Spielplätzen oder sonstwo eher umgekehrt: Mütter und Väter, die in Begleitung ihrer Kinder wie abwesend auf ihr Handy blicken, am Griff des Kinderwagens E-Mails und WhatsApps checken, in Cafès chatten, daneben das Kind, enttäuscht, frustriert, wie abwesend. Einen kleinen Jungen, der ganz auf sein Handy konzentriert an der Hand seiner Mutter in den Kindergarten oder in die Schule gebracht wird, sieht man wohl eher selten oder eigentlich gar nicht.

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„Spätzünder?“

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Vor kurzem erfreute ich mich daran, wie toll ein kleines Mädchen schon durch den Hof lief und ihre Welt zu entdecken versuchte. Ich sagte der Mutter, wie wunderbar ich es finde, dass ihre Tochter laufen könne und mutig immer wieder auf`s Neue losgehe. Sie freute sich auch, entgegnete mir dann aber in einem entschuldigenden Tonfall: „Sie ist aber ein Spätzünder. Sie läuft ja jetzt erst, mit 16 Monaten …“

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Liebe Leserinnen und Leser,


im Pädagogischen Institut Berlin (PIB) gehen wir bei unserer Arbeit von dem Grundgedanken aus, dass jedes pädagogische Handeln nur in Beziehung stattfindet und durch Beziehung wirkt. Doch das, was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, ist in der Praxis oft gar nicht so einfach zu haben. Wie also gelingt Beziehung in Pädagogik und Erziehung? Was sind die Grundlagen? Wie schaffen wir pädagogische Räume, in denen Bindung und Beziehung nicht nur diskutiert und angesprochen werden, sondern wir sie im Kita- oder Schulalltag auch erproben und mit Erfolg an ihnen arbeiten können? Deswegen ab jetzt dieser neue Newsletter. Darin wollen wir Ihnen fachliche Beiträge bereitstellen, darüber hinaus gibt es Buchempfehlungen, Praxistipps, interessante Links, Hinweise auf Veranstaltungen und vieles mehr. Neben unseren verschiedenen Beiträgen im Blog www.kinder-und-wuerde.de mit seinem umfangreichen Archiv und unserer Homepage www. paedagogisches-institut-berlin.de soll dieser Newsletter unser Angebot an Sie ergänzen und wir würden uns freuen, wenn Sie ihn auch an Ihre Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen würden.

Herzlichst Ihr
Dr. Udo Baer und Dr. Claus Koch, September 2018
Pädagogisches Institut Berlin  PIB

Wenn Anerkennung innere Leere füllen muss

Dr.Claus Koch

In meinen beiden Beiträgen auf dem Blog Kinder-und-Wuerde.de, „Werden, wie man sich selbst empfindet“ und „Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziales Dominanzstreben“, beide zu finden im „Blogarchiv“, habe ich mich bereits mit zwei in Zusammenhang mit bindungstheoretischen Überlegungen immer wieder auftauchenden Begriffen, nämlich Selbstwert und Selbstwirksamkeit, kritisch auseinandergesetzt. Dabei ging u.a. um die Fragestellung, was das Selbstgefühl vom Selbstwertgefühl unterscheidet und was geschieht, wenn Selbstwert und Selbstwirksamkeit sich unreflektiert mit sozialem Dominanzstreben verknüpfen. In diesem Beitrag will ich diese Kritik an Schlüsselbegriffen der Bindungstheorie mit Bezug auf den auch von mir häufig benutzten Begriff der „Anerkennung“ fortsetzen.
Anerkennung ist die elementare Grundvoraussetzung von Ichbildung und Identitätsfindung. Der Wunsch anerkannt zu werden gehört zudem zu den existenziellen Bedürfnissen jedes Kindes. Im Säuglings- und Kleinkindalter zeigt sich der Prozess von Anerkennung zunächst darin, wie die bedeutendsten Bezugspersonen des Kindes auf die Blicke, die Gesten und später die Worte des Kindes reagieren. Also darin, wie die Mutter oder der Vater den Blick des Kindes liebevoll aufnehmen und erwidern, wie sie seine ausgetreckten Arme ergreifen oder auf seine ersten Worte, sie dabei oft wiederholend, antworten. „Ich werde gesehen, ich werde gehört, also bin ich“ – so beginnt jedes Kind seine Reise zum eigenen Ich.

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