Konstruktive und destruktive Wirksamkeitsbemühungen

This entry is part 2 of 2 in the series Wirksamkeit

 

 

von Udo Baer

Wenn Kinder und Jugendliche ins Leere gehen, wenn sie sich unwirksam fühlen und wiederholt die Erfahrung machen, dass sie keine Wirkung auf andere Menschen haben, dann verfestigt sich in ihnen das Bild, dass sie anderen egal sind, dass sie es nicht wert sind, beachtet zu werden. Dieses Gefühl ist zumindest auf Dauer kaum aushaltbar und deswegen kämpfen Kinder und Jugendliche darum, wirksam zu werden.

Dies geschieht oft destruktiv. Sie machen etwas kaputt, sie werden aggressiv, sie hauen, schimpfen, beleidigen usw. Auch dann sind sie wirksam, aber diese Wirksamkeit besteht darin, dass sie ausgeschimpft und bestraft werden, ganz gleich ob im Elternhaus, in der Kita oder in der Schule.

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Selbstwirksamkeit und Wirksamkeitserfahrungen

This entry is part 1 of 2 in the series Wirksamkeit

 

 

von Udo Baer

Man liest oft die Aufforderung, dass wir Therapeuten*innen, Pädagogen*innen, Erzieher*innen und Eltern die „Selbstwirksamkeit“ der Kinder und Jugendlichen stärken sollen. Doch was ist das? Schaut man sich die psychologische Literatur zu diesem Thema an, wird deutlich, dass es nicht so sehr um die Selbstwirksamkeit geht, sondern um die Selbstwirksamkeits-Erwartungen. Erwartet ein Kind, dass es etwas bewirken kann? Wenn ja, hat es eine hohe Selbstwirksamkeit, wenn nein, eine niedrige.[1] Doch diese Erwartung ist nur ein Teilaspekt und nicht der wichtigste.

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Abschied tut weh……..

This entry is part 4 of 5 in the series Fragen von Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen

 

 

 

In der Grundschule ist ein siebenjähriges Kind, das oft verstört wirkt. Die Mutter klebt sehr an ihm, verabschiedet sich nur schwer und kommt dann jeden Tag nochmal ans Fenster und klopft, bis das Kind reagiert. Was ist zu tun?

Zunächst einmal sollten Sie mit der Mutter reden und sie bitten, ja auffordern, nach dem Abschied nicht mehr zu dem Kind zurückzukommen und an das Fenster zu klopfen. Das stört die Klasse und das Kind. Das beeinträchtigt, dass das Kind lernen kann, sich zu verabschieden. Die Mutter ist Vorbild und sollte sich auch so verhalten. Wenn sie das nicht kann, können Sie ihr empfehlen, dass sie sich selbst Hilfe suchen sollte. Manche Menschen sind so oft und so intensiv allein gelassen worden, dass sie sich nur noch schwer verabschieden können. Da helfen dann nur Beratung oder Therapie. Weiter lesen

Wenn ein Kind zu klug und zu schnell ist …

This entry is part 5 of 5 in the series Fragen von Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen

 

 

Eine Lehrerin fragt:

Ein Kind in meiner sechsten Klasse ist überentwickelt. Es ist zu schnell, zu klug, oft auch altklug. Es bringt sich selbst Sprachen und anderes Wissen bei, muss alles besser wissen und weiß auch vieles. Was kann ich als Lehrerin tun?

Wenn ein Kind überdurchschnittlich intelligent und auch neugierig und wissensdurstig ist, dann braucht es vor allem Unterstützung in den Kontakten zu den anderen Kindern. Oft lehnen andere Kinder dieses Kind als „Streber“ oder „Besserwisser“ ab. Erwachsene bezeichnen es oft als altklug, manchmal sogar als arrogant. Doch was soll das Kind tun? Soll es seine Neugier abwürgen? Soll es sich verstellen, dass es vieles nicht mehr weiß? Solche hochintelligenten und wissensdurstigen Kinder müssen lernen, mit ihren Fähigkeiten umzugehen und sind dabei gelegentlich maßlos, weil sie nicht anders können. Das hat soziale Konsequenzen, die dazu führen können, dass sich die Kinder als Außenseiter oder gemobbt fühlen. Manche Kinder verlieren dann die Lust, überhaupt zur Schule zu gehen. Sie fürchten sich vor der Beschämung und dem Spott anderer. Weiter lesen

Mein Kind will immer nur zur Mama…….

This entry is part 3 of 5 in the series Fragen von Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen

von Dr. Udo Baer

 

Ich bin Vater und komme gut mit meinen Kindern klar. Doch die Kinder wollen gerade nur zur Mama gehen. Sie sind drei und vier Jahre alt. Was kann ich tun?

Da müssen Sie als Vater durch. Ich habe selbst als Vater die Windungen und Wendungen der Zuneigung meiner Kinder erfahren dürfen. Mal war ich die Nummer eins, mal meine Frau, dann wieder ich, dann sie. So ging es oft hin und her. Versuchen Sie nicht, deswegen beleidigt zu sein, sondern nehmen das Geschehen mit Gelassenheit und ein bisschen Humor. Zeigen Sie den Kindern, dass Sie gerne mit ihnen zusammen sind und etwas spielen oder unternehmen möchten. Aber ohne Druck oder gar Zwang. Weiter lesen

Ein Kind wirf sich auf den Boden……

This entry is part 1 of 5 in the series Fragen von Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen

von Dr. Udo Baer

 

Ein Kind in der Kita wirft sich auf den Boden. Wenn man das Kind dann hochnehmen möchte, kämpft es dagegen an. Wie verstehen Sie das?

Im Säuglingsalter liegen Kinder in der Regel auf dem Boden oder auf dem Arm eines Elternteils. Auf dem Boden zu liegen, ist der hauptsächliche Zustand, in dem sie sich in das Leben hineinfühlen und orientieren. Der Boden gibt Halt und Sicherheit. Auch sprachlich ist das Wort „Boden“ doppeldeutig: Es bezeichnet einerseits konkret den Fußboden, andererseits verwenden wir es im übertragenen Sinn, wenn wir etwas sagen, wir hätten in einer Krise den „Boden unter den Füßen“ verloren. Weiter lesen

Kinder in giftigen Atmosphären

von Dr. Udo Baer

Zu den Monstern der Entwürdigung zählt, Kinder und Jugendliche giftigen Atmosphären auszusetzen. Atmosphären wabern um uns herum und in uns hinein. Giftige Atmosphären sind solche, die Kinder und Jugendliche schleichend vergiften. Zwei Beispiele:

  1. G. lebt in einer Atmosphäre permanenter Angst. In ihrer Familie gilt,
    dass alle anderen eine Bedrohung sein können. Nichts darf wirklich
    gut sein. Alles Gute kann sich ja sofort in Schlimmes verwandeln.
    Für G. ist diese Atmosphäre selbstverständlich. Sie ist in ihr
    von Geburt an aufgewachsen. Auch sie selbst wird paranoid und
    kann keine freundschaftlichen Beziehungen zu Mitschüler*innen
    aufbauen. Auch die wohlwollendsten Lehrer haben bei ihr keine
    Chance. Die Eltern von G. haben in den Kriegen beim Zerfall des
    ehemaligen Jugoslawiens als kleine Kinder schlimme Kriegstraumata
    erlebt. Flucht, Vergewaltigung, Vertreibung, Denunziation,
    Gefangenenlager (Vater) … Diese Atmosphäre hat sie geprägt und
    schuf die Wolke der Angst und Bedrohung.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 7: Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?- Misstrauen

This entry is part 7 of 15 in the series Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

Von Dr. Udo Baer

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Dass eine traumatische Erfahrung dazu führt, dass Kinder misstrauisch gegenüber anderen Menschen, ja, gegenüber der Welt werden, habe ich schon mehrmals erwähnt. Wenn Menschen, denen sie vertrauen, ihnen Gewalt antun, wenn sie in Situationen, die sie als vertraulich erlebt und in denen sie auf den Schutz der Erwachsenen vertraut haben, in existenzielle Bedrohungen gestürzt werden, dann bricht die Welt zusammen und damit auch das Vertrauen in die Welt.

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Wenn Viktor wegläuft

Wenn Viktor wegläuft, sind die Lehrerinnen und Lehrer aufgeregt. Denn er kann sich gut verstecken, in der Pause zwischen dem Gebüsch am Schulhof, im Schulgebäude in den vielen Räumen.

Sie sind besorgt, weil er oft ein bisschen unberechenbar ist. Er ist 9 Jahre alt, ein Kind mit Down-Syndrom.

Er läuft immer öfter weg. Ich frage in der Schule: „Wissen oder vermuten Sie, warum Viktor wegläuft?“ Achselzucken. „Gibt es Anlässe, bei denen er wegläuft?“ Auch hier gibt es keine eindeutigen Antworten. Manchmal wird er im Flur angesprochen und er läuft, manchmal nicht. „Wo läuft er denn hin?“ Hier wird es klarer: „Im Schulgebäude meist in die Bibliothek.“ „Was ist dort anders als in anderen Räumen?“ „Da ist es am ruhigsten.“

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Was beunruhigt unruhige Kinder?

Beitrag von Dr. Udo Baer

Viele Kinder sind unruhig und es gibt zahlreiche Bestrebungen in Schulen, Kindergärten, Elternratgebern und anderem, dass und wie diese Kinder wieder zur Ruhe kommen sollen. Es wird gestritten, ob dies eher über weiche Methoden oder über Regeln und Strafen erfolgen soll. Die Kernfrage allerdings, die als erstes gestellt werden sollte, lautet: Was beunruhigt unruhige Kinder? Wir haben in unseren therapeutischen und pädagogischen Begleitungen von Kindern und Jugendlichen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass diese Frage gestellt werden muss, und dass sie nicht immer, aber oft, zu den Quellen der Unruhe führen kann.

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